Ein Geizhals kann mitunter auch recht nützlich sein

7. Juni 2004, 09:53
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Das Web ist das Informationsmedium schlechthin - auch wenn es um Preise geht - Wie sich daraus ein Geschäft machen lässt, zeigt Geizhals.at

Dass das Schild aus Pappe ist, das auf den Sitz von Geizhals.at im Bürogebäude Obere Donaustraße 63 hinweist, hat nichts mit Geiz zu tun. "Wir sind erst vor kurzem hier eingezogen", erzählt Marinos Yannikos, Geschäftsführer der Preisvergleichsplattform Geizhals.at, "und solche Dinge brauchen halt ihre Zeit."

Vergleich

Mitte der 90er-Jahre hatte der damalige TU-Dozent für Programmiersprachen begonnen, für Freunde und Bekannte die Hardwarepreise von EDV-Händlern auf der eigenen Homepage zu vergleichen. Den Domainnamen www.geizhals.at bekam er von dem mit ihm befreundeten Chef des Internetserviceproviders (ISP) Inode angetragen, nachdem er aus Kostengründen zum Konkurrenten Chello gewechselt war.

Alles Weitere entwickelte eine eigene Dynamik

Mund-zu-Mund-Propaganda, ein reales und realistisches Projekt, der Einstieg von Investoren ermutigten 1999 zur Firmengründung. Von den Investoren hat sich Yannikos längst befreit. Der Geist der New Economy, mit schnell gegründeten Aktiengesellschaften und mit viel Werbegeschrei über das Internet das große Geld zu machen, hat ihn nie beeindrucken können. "Dazu bin ich zu sehr Techniker und Pragmatiker", sagt der 31-Jährige. Der Erfolg gibt ihm Recht.

950 Händler

Mehr als 100.000 Elektronikprodukte - vom Computer bis zur Kaffeemaschine - von mittlerweile 950 Händlern sind auf dem Webportal gelistet. Rund 30 Millionen Euro monatlich setzt der Handel über Geizhals durchschnittlich um, schätzt Yannikos. Geizhals wiederum verdient an den Provisionen oder mit Pay-Per-Click-Abrechnung, wenn ein Besucher auf die Onlineseite eines Händlers wechselt. 2003 wurde damit ein Jahresumsatz von rund 1,5 Millionen Euro erzielt, heuer sollen es zwei bis 2,5 Millionen Euro werden. Im Hintergrund werkeln insgesamt 27 Mitarbeiter, einen Großteil der Programmierarbeiten führt der Chef weiterhin selbst aus.

Preisdrücker

"Manche Händler mögen uns nicht besonders, da wir die Preise drücken würden", sagt Yannikos. Die Erfahrung zeige jedoch, dass die Kunden nicht nur auf den Preis, sondern auch stark auf Verfügbarkeit und Abholmöglichkeit der Produkte sowie auf die Qualität des Onlineshops achten würden.(Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 27. Mai 2004)

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