Überdribbelt

14. Juli 2004, 14:50
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Die Niederlage des FC ORF bedeutet eine große Chance für die medienpolitischen Verhältnisse in Österreich

Seltsam: Peter Westenthaler wirkt grantig, dass dem ORF Fernsehrechte entgehen. Er hat seine Rolle getauscht: Als Klubobmann der FPÖ war ihm keine Keule groß genug, dem Küniglberg einen Schlag zu versetzen. Als Vorstand der Bundesliga entpuppt er sich als Verteidiger des öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Westenthaler ist grantig darüber, dass die Präsidenten der Bundesligavereine die Übertragungsrechte für die Spiele ihrer Klubs für die nächsten drei Jahre nicht dem ORF, sondern einem Konsortium aus dem Abonnementsender Premiere und ATV+ verkaufen wollen.

Die Niederlage des FC ORF bedeutet eine große Chance für die medienpolitischen Verhältnisse in Österreich. Wer Fußball sehen will, muss auf seiner Fernbedienung auch endlich den ersten landesweiten Privatsender einstellen.

Das Problem: Die österreichische Bundesliga ist mit jener in Deutschland oder Großbritannien nicht zu vergleichen. Für diese Erkenntnis musste schon vor knapp zehn Jahren Sat.1 Lehrgeld bezahlen: Der deutsche Privatsender kaufte dem ORF 1996 die Rechte am "Spiel der Woche" vor der Nase weg. Er glaubte, damit das Monopol des Küniglbergs auf Programm und vor allem Werbung in Österreich knacken zu können. Ein Fehler: Von rund zwei Millionen möglichen Sehern schauten im besten Fall 100.000 das "Spiel der Woche", das Sat 1 übertrug. Nach einer Saison gab der deutsche Privatsender freiwillig die Rechte zurück an den ORF.

Im Jahr 2004 ist die Situation eine völlig andere: ATV+ können nicht nur die Kabelhaushalte sehen, sondern ganz Österreich. Nützt das Publikum dieses Angebot, hat Privatfernsehen in diesem Land eine reelle Chance. (DER STANDARD; Printausgabe, 21.5.2004)

Von Harald Fidler
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