Malta: Nicht nur der Löhne wegen

7. Dezember 2004, 11:28
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Der neue EU-Zwerg hat sich nicht nur für sich selbst viel herausverhandelt, er bietet auch ausländischen Firmen und Managern mehr als nur sechs Monate Sonne. Ein Gespräch mit einem Bankdirektor, der Generaldirektorin eines Spieleherstellers und einem Hoteldirektor

Klein, aber oho: So sieht sich der kleine Inselstaat Malta selbst - und will von den anderen durchaus auch größer als 315 Quadratkilometer mit 400.000 Einwohnern gesehen werden. Nicht zuletzt deshalb lieferte Malta beim Eintritt in die größere EU in der Nacht zum 1. Mai das eindruckvollste Licht- und Feuerspektakel aller zehn Neuen.

Malta und die EU - das ist eine durchaus wechselvolle Geschichte, die die Menschen auf dieser Insel zwischen Sizilien und Nordafrika politisch ziemlich geteilt hat. Denn die Angst der Malteser, nach jahrhundertelanger Fremdherrschaft (Türken und Briten) wieder in Abhängigkeit zu gelangen, war groß.

Doch dass zahlreiche ausländische Firmen schon lange ihre Niederlassungen auf dem steinigen Inselboden aufgeschlagen haben, hat sie nie gestört. Im Gegenteil. Die Steuergesetzgebung ist ein großer Anreiz: 35 Prozent Körperschaftssteuer, das wird auch Österreich 2005 bieten. Aber fünf Prozent Körperschaftssteuer für nicht maltesische Firmen, für die zwar nach einer gewissen Zeit ebenfalls 35 Prozent fällig sind, davon aber vorerst einmal zwei Drittel an den ausländischen Investor zurückerstattet werden, sind nicht ohne.

Vertreter der zahlreich ansässigen Banken können das näher erläutern. Seit September vorigen Jahres werkt dort beispielsweise Otto Karasek als Generaldirektor der BAWAG Malta Bank Limited mit einer Vollbankenkonzession.

Man bemüht sich (auch) um maltesische Infrastrukturprojekte, aber natürlich vor allem um das Kredit- und Einlagengeschäft maltesischer und ausländischer Kunden. Geplant ist auch die Ausgabe von eigenen Emissionen etwa für österreichische Kunden. Aufgrund des bestehenden Steuervorteils (so genannter Matchingkredite) ist die Veranlagung auch kleiner Beträge attraktiv.

Karasek lobt die Qualifikation der maltesischen Mitarbeiter, freut sich über die Existenz einer Business-Community, nennt aber auch die relativ teuren Wohnungen und Lebenshaltungskosten, etwa die Restaurantpreise.

Geliebtes Playmobil

Schon seit 30 Jahren auf der kleinen Insel ist Helga Ellul, Generaldirektorin von Playmobil Malta, die 2003 75 Millionen dieser kleinen, von Kindern heiß geliebten Plastikfiguren produzierte. Sie macht auf den Umstand aufmerksam, dass damals in Europa Vollbeschäftigung herrschte und man deshalb nach Malta ging. Und es gab damals mehr als 30 Prozent Lohnkostenvorteil.

Der Mindestlohn eines Arbeiters betrage rund 60 maltesische Lire die Woche, rund 150 Euro. Andere Vorteile aus der Sicht der Spitzenmanagerin: nicht sehr aggressive Gewerkschaften (zwei), die direkt mit dem Betrieb in Lohnverhandlungen eintreten, eine 40-Stunden-Woche, aber durchaus flexible Arbeitszeiten. Das neue Werk mit 720 Mitarbeitern läuft in drei Schichten rund um die Uhr Helga Ellul, mit einem Malteser verheiratet, hebt die hohe Lebensqualität auf der Insel hervor und berichtet, dass sie laufend Bewerbungen aus dem Stammhaus in Deutschland für Malta bekommt.

Auf der Nebeninsel Gozo, mitten in der Einschicht, residiert Rupert Simoner, Kärntner und Chef eines zur Kempinski-Gruppe gehörenden Wellnesshotels. Immerhin ist der Tourismus neben der Werft-Industrie der wichtigste Wirtschaftszweig von Malta, wenngleich in der Vergangenheit große Bausünden begangen wurden und noch größere Umweltsünden (Müll) noch immer begangen werden.

Weniger Bürokratie erwartet ausländische Firmen hier, meint Simoner, und für kleine und mittlere Unternehmen gebe es sprachlich hervorragend gebildete Leute, wenngleich keine mit Österreich vergleichbare Tourismusschule. Er selbst blickt mit Wehmut zurück, übersiedelt er doch bald routinemäßig ins Kempinski in die Schweiz. (Der Standard, Printausgabe 15./16.5.2004)

Von Fritz Pesata

Sprachkolumne Maltesisch
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    malta tourismus
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