Gold-Double durch Rogan und Jukic

5. Dezember 2004, 23:47
8 Postings

Mirna Jukic verteidigte den Europameister-Titel über 200 Meter Brust - Rogan holte über 200 Meter Rücken seinen zweiten EM-Titel

Madrid - Das historische Gold-Double von Madrid ist perfekt! Markus Rogan und Mirna Jukic holten am Samstag innerhalb von sieben Minuten die EM-Titel über 200 m Rücken bzw. 200 m Brust und sorgten damit erstmals in der 78-jährigen Geschichte der Titelkämpfe für zwei österreichische Schwimm-Gold-Medaillen an einem Tag. Rogan siegte auf der langen Rücken-Distanz mit dem neuen EM- und österreichischen Rekord von 1:57,58 Minuten, Jukic gewann auf ihrer Parade-Strecke in 2:27,25. Zudem erreichten Petra Zahrl und Judith Draxler Endläufe.

Perfekter Rahmen

Erstmals während dieser EM kam so richtig die Sonne heraus, vor fast vollen Tribünen spielten sich die denkwürdigen Minuten in einem perfekten Rahmen ab. Rogan schlug zunächst ein ungeheures Anfangstempo an, bei 100 Metern lag er 22/100 unter der Weltrekord-Marke des US-Amerikaners Aaron Peirsol. "Mir tut alles weh, hey!", waren die ersten Worte des Wieners als Doppel-Europameister. "Aber ich bin hierher gekommen, um auf 200 m Rücken Gold zu holen. Daher musste ich auf Teufel komm' raus gehen."

Der 22-jährige war danach über sein Anfangstempo sogar etwas schockiert: "Es ist schon ein Wahnsinn, wenn ich nur um eine Sekunde langsamer angeh' als im 100-m-Finale. Aber irgendwie taugt mir das, voll anzugehen und zu schauen, wie die Gegner reagieren." Die kamen erst auf den letzten 50 Metern näher, das war zu spät. Auf diesem Viertel reduzierte sich der Vorsprung Rogans auf den rumänischen Semifinal-Schnellsten Razvan Florea von 1,11 auf 42/100 Sekunden. "Da hab' ich mir nur noch gedacht: Hey, jetzt musst du gewinnen."

Neuer EM-Rekord

Den EM-Rekord des Russen Wladimir Selkow, am 5. August 1993 in Sheffield aufgestellt, verbesserte Rogan um 51/100, seinen nationalen vom 26. Juli 2001 von der WM in Fukuoka um 49/100. "Solange hab' ich noch nie eine meiner Bestzeiten gejagt", war der Stanford-Student froh, endlich schneller geschwommen zu sein. Mit seiner Top-Marke rückte er zudem im ewigen weltweiten Ranking auf den achten Platz vor, in dem Europas auf die fünfte Position. Den Europarekord verpasste er (noch) um 1,01 Sekunden.

Als Jukic kurz nach seinem Finale zum Endlauf antrat, unterbrach Rogan die Interviews, um seine Team-Kollegin anzufeuern. "Ich bin mir sicher, sie macht Gold, deswegen hab' ich einen EM-Rekord vorgelegt. Jetzt mal schauen, wie sie antwortet", schmunzelte Rogan. Die 18-Jährige hatte ein gute Antwort, auch wenn sie mit ihrer Zeit um 2,1 Sekunden über ihrer Bestzeit blieb. Doch wirklich gefordert wurde Jukic nicht, ihren Vorsprung baute sie sukzessive bis auf 2,46 Sekunden aus. Die Titelverteidigung war geglückt.

Titelverteidigung war das Ziel

"Ich wollte diesen Titel unbedingt gewinnen. Es war schon ein bisschen hart, weil ich nicht gewusst habe, was die anderen können", sagte Jukic, wobei ihr die Zeit im Gegensatz zu sonst diesmal nur sekundär wichtig war. "Die wird bis Olympia schon passen. Heute war nur die Gold-Medaille, die Titelverteidigung mein Ziel. Jetzt kann ich sagen, dass ich weiter an der Spitze liege. Ich will nicht sagen, dass ich Europas Beste bin, denn Zwei waren nicht da", dachte Jukic auch an die beiden abwesenden Deutschen Anne Poleska und Sarah Poewe.

Auch die so erfolgreiche Gymnasiastin freute sich in den ersten Minuten ihres Triumphes mit dem Team-Kollegen: "Zwei Mal hintereinander der erste Platz ist toll", sagte sie. Beide VÖS-Asse standen bei der Siegerehrung in die österreichische Fahne gehüllt und genossen die Minuten mit der Nationalhymne. Für Rogan kann die EM übrigens noch wertvoller werden, als sie es schon ist, bis Samstag war er mit zwei Mal Gold und ein Mal Silber erfolgreichster männlicher Teilnehmer dieser Titelkämpfe in Einzel-Bewerben.

Am Sonntag wird er noch über 400 m Lagen starten. Der 22-Jährige entschied sich nach einem Telefonat mit seinem US-Trainer Skip Kenney und Beratung mit seinem SV-Schwechat-Coach Robert Michlmayr für ein Antreten auf der Kräfte raubenden Distanz. Von seiner Klasse her zählt der Wiener zu den Medaillen-Kandidaten. Freilich bleibt abzuwarten, wie er die Belastung seiner bisherigen neun Rennen bzw. sein hohes Tempo im 200-m-Rücken-Endlauf verkraftet. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Goldfische Markus Rogan und Mirna Jukic - im Fünfminuten-Takt holten die beiden ihre EM-Titel.

Share if you care.