Lampenfieber

9. Juni 2004, 14:30
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Künstler, Hersteller und Designer ließen rund um die Frankfurter Messe Light+Building die Lichter aufgehen

Die deutsche Baubranche liegt darnieder, große, neue Büroobjekte stehen weit gehend leer. Schwere Zeiten für Architekten und Planer. Eigentlich hätte es auf der dritten Light+Building Heulen und Zähneklappern geben können. Doch auf dem weitläufigen Frankfurter Messegelände gab es vorwiegend zufriedene Gesichter. Ob es am allseits präsenten dynamischen Licht lag, an den steuerbaren LED-Lampen, die gemächlich ihre Farbe wechseln? Angeblich wirkt diese neue Art der Beleuchtung stimmungsaufhellend.

Immerhin, in diesem Jahr kamen 116.000 Besucher, 6000 mehr als bei der Vorgängerveranstaltung 2002. Der Erfolg der Messe, die erstmals im Jahr 2000 aufsperrte, basiert auf der Vielfalt des Angebots. Die Neuheiten im weiten Feld der Lichtschalter und Brandmelder gehören ebenso zum Programm wie andere Komponenten der Gebäudeautomation. Jede Art von Licht - kleinste Niedervolt-Halogenreflektorlampen (4,5 Zentimeter kurz und 1,6 Zentimeter schmal), ausgefeilte Lichtsysteme fürs Büro oder Shop- und Straßenbeleuchtung - erleuchtete den Besucher. Und damit nicht genug: Mit der Luminale, dem "Festival für Lichtpoeten", stülpte sich die Messe in die Stadt hinein und bot den Herstellern ein Forum, ihre Produkte für Architekturbeleuchtung einmal in Aktion vorzuführen.

Große Illuminationen, etwa des naturkundlichen Senckenberg-Museums und Installationen von Künstlern wie James Turrell oder Bill Viola gehörten dazu, ebenso die Präsentation neuer Leuchten-Trends, wie es sie so auf der Messe nicht zu sehen gab. So zeigte etwa die Galerie Art to Use "Lüster & Kometen", Kronleuchter und futuristische Objekte nebeneinander. Anders als auf der Möbelmesse in Mailand - RONDO berichtete - ist auf der Light+Building vom Trend zu barocken oder zumindest ornamental verzierten Leuchten kaum etwas zu spüren. Präzis gefertigte Rasterleuchten dominieren in vielen der abgedunkelten Ausstellungshallen. Für den Laien wirken sie völlig austauschbar.

Dennoch gibt es selbst beim nüchternen Thema Bürobeleuchtung gewisse Abweichungen. So verkündet Zumtobel Staff einerseits noch einmal die "Reduktion des Minimalismus" und zeigte dazu geometrische, wenig aufregende Pendelleuchten. Als Lockerungsübung präsentierten sich zugleich ein organisch geformtes und wahlweise mit Holz oder Eternit verkleidetes Modell names "Evio" (Design Greige) und der Strahler "Solar II" von Massimo Iosa Ghini. Dessen asymmetrisches Gehäuse soll zugleich für eine bessere Belüftung und längere Lebensdauer der Lampe sorgen. Zu den Überraschungen der Messe gehörten osteuropäische Aussteller wie ES-System aus Polen und Intra Lighting aus dem slowenischen Miren, die auf Anhieb internationale Klasse unter Beweis stellten. Design, Messeauftritt und Qualität entsprechen dem Angebot der Wettbewerber.

In den Hallen 1 und 3 zeigten die Hersteller allein durch die Größe, mehr aber noch durch die Inszenierung ihres Auftritts, wie viel Geld sich mit Licht machen lässt. Außer Ingo Maurer, Tobias Grau und der spanischen Firma Santa & Cole soll hier auch die österreichische Firma Xenon Architectural Light (XAL) aus Graz erwähnt sein. Neben neuen Leuchten deren wichtigste Innovation: ein Programm, mit dem sich LED-Leuchten per Bluetooth ansteuern und programmieren lassen. So einfach, dass man dazu gerade einen Palm und keinerlei technische Vorkenntnisse braucht.

An anderer Stelle bekam Frankfurt zu sehen, was demnächst Wien erleuchtet: Nach 40 Jahren wird die Standard-Langleuchte ersetzt, die 80 Prozent aller Hauptstraßen illuminiert. Das neue Modell stammt von podpod design (Iris und Michael Podgorschek), ein Büro, das bereits durch die neue Gürtel-Beleuchtung bekannt wurde. Die neue Leuchtenfamilie ist "gestalterisch aktualisiert", wie Michael Podgorschek den Entwurf charakterisiert. Wie zwei Hände greifen der massive, tragende Teil und der weich wirkende, aus dem das Licht austritt, ineinander. Zudem ist die Leuchte so verbessert, dass sie weniger Lichtverschmutzung bewirkt - eine verbesserte Blendbegrenzung verhindert, dass die Leuchte über den Horizont hinaus strahlt. Durch ausgeklügelte Produktionstechnik entstand eine ganze Leuchtenfamilie, die auch die berüchtigten Koffer über den Kreuzungen ersetzen soll. Frankfurt suchte also die Erleuchtung, und bis zur nächsten Light+Building im Jahr 2006 dürften dann auch in Wien einige Straßenzüge bereits in neuem Licht glänzen. (Thomas Edelmann/Der Standard/rondo/7/5/2004)

  • "Molecular Light" von Hopf&Wortmann - Büro für Form
    fotos: hersteller

    "Molecular Light" von Hopf&Wortmann - Büro für Form

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