Fit für den Arbeitsmarkt

17. Juni 2004, 14:00
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Die Initiative "Jobfit" hilft behinderten Jugendlichen mit Kursen und Projekten bei der Integration in den Arbeitsmarkt

Jugendliche, die heute eine Lehrstelle suchen, sind ohnenhin schon nicht zu beneiden. Sie müssen mit oft hundert anderen Anwärtern um eine Lehrstelle kämpfen und landen dann häufig in einem Beruf, der ihnen eigentlich keinen Spaß macht. Wer bei diesen verschärften Bedingungen am Arbeitsmarkt lern- oder geistigbehindert ist, hat noch weniger Chancen, einen Job zu finden.

Fit für den Job

Diesem Problem versucht die Initiative "Jobfit" am Sonderpädagogischen Zentrum entgegenzutreten. Wer im "normalen" Arbeitsmarkt unter die Räder kommt, keinen Job oder keine Lehrstelle findet oder wegen einer Behinderung keine adäquate Stelle hat, kann sich für den berufsvorbereitenden Lehrgang bewerben. Bedingung ist dabei lediglich die Vollendung der Schulpflicht (9 Schuljahre), maximale Dauer der Ausbildung sind 3 Jahre, ein Ausstieg, etwa bei gefundener Stelle, ist jederzeit möglich.

Die Initiative soll lern- und geistigbehinderten Jugendlichen ab dem 10. Schuljahr die Möglichkeit bieten, im Rahmen der Schule an ihren Defiziten zu arbeiten, um den für sie geeignetsten Zeitpunkt zum Einstieg in das Berufsleben zu finden. Der Unterricht erfolgt integrativ und orientiert sich den Bedürfnissen des Jugendlichen entsprechend nach den Regeln der freien Marktwirtschaft.Somit stellt der Lehrgang eine Nahtstelle zwischen Schule und Berufswelt dar, an dem Jugendliche einen Platz finden, die eine flexible und spezifische Förderung benötigen.

Firmengründung leicht gemacht

Ein Kernstück des Lehrganges bildet eine von den SchülerInnen gegründete Firma im Rahmen des "JUNIOR"-Projektes der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft. Das bewährte Projekt "JUNIOR - SchülerInnen gründen ein Unternehmen" wird erstmals in einem integrativ geführten Lehrgang von gehandikapten Jugendlichen gestartet. Schülerlnnen im Alter von 15 – 19 Jahren gründen ein Unternehmen für die Dauer eines Schuljahres. Der Unternehmensgegenstand hängt ganz allein von der Kreativität der Jugendlichen ab. Es können Dienstleistungen wie Dogsitting, Kopierservice oder Einkaufshilfe angeboten werden, aber auch Erzeugnisse aus Holz, Stoff, Papier, etc. Die SchülerInnen besetzen die einzelnen Positionen im Betrieb, machen Marktforschung, fertigen bzw. verkaufen Produkte, führen Buch, errechnen Gehälter, unterhalten ein Bankkonto und liefern an den "Staat" JUNIOR-Steuern ab. In diesem Rahmen der eigenen Firma wird mit dem Jugendlichen auf praktische und theoretische Ausbildung Wert gelegt. Handwerkliche Fertigungstechniken werden geübt, Wissen wird erworben und angewendet.

Mit einem Lächeln

In den Lehrgängen werden auch immer wieder Projekte gestartet, die den Jugendlichen helfen sollen, Kernkompetenzen für den Arbeitsmarkt zu entwickeln. Neuestes Idee: Die Projekttage "Mehr Lächeln". Dabei geben die Jugendlichen an drei Tagen in einer Outdoor-Aktion ein "Lächeln" an Passanten weiter. Freundlichkeit als Grundlage für die Arbeit im Dienstleistungssektor ist der Schwerpunkt, der in der Abteilung "Dienstleistungen" im Lehrgang vermittelt werden soll. In dieser Aktion werden soziale Kompetenzen wie Kundenfreundlichkeit, Kundenkontakt und Frustraktionstoleranz trainiert. Die Reflexion auf die Begegnungen und die spontane Reaktion auf verschiedene Begebenheiten ist Basis zur weiterführenden Selbst- und Fremdbildarbeit in der Schule. Positiver Nebeneffekt der Aktion, frei nach Charlie Chaplin: "Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag." (az)

  • Artikelbild
    foto:jobfit
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