Das Knistern der Frauen

1. Mai 2004, 00:00
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Die Österreicherin Daniela Swarowsky über ihr Festival zu Frauen in elektronischer Musik und Film im dieStandard.at-Interview

dieStandard.at In welchem Kontext ist Xperiment>L entstanden?

Seit 1995 arbeite ich u.a. im experimentellen Musikbereich. Als interessierte Frau habe ich mich immer als Exotikum gefühlt. Dieser Bereich ist immer noch fast ausschließlich von Männern dominiert.

Vor allem in der elektronischen Musik ist der Frauenanteil verschwindend gering. Es ist fast die Regel, dass keine Frau auf renommierten Festivals am Programm steht.

Ich habe viele Frauen kennen gelernt, die auf höchstem Niveau elektronische Musik erzeugen. Da ist mir die Diskrepanz zwischen der Vielzahl an Frauen, die in dem Bereich tätig sind, und ihrer Repräsentation immer mehr aufgestoßen.

dieStandard.at Und welche genauen Pläne habt ihr bereits?

Wir (Mariette Groot und ich) planen eine monatliche Serie von Live-Performances und Film/Video Screenings, in denen wir Frauen, die elektronische Musik produzieren/komponieren, als auch Filmemacherinnen, featuren. Außerdem sind Lecture Demonstrations, Diskussionen und Workshops zum Thema in Planung.

dieStandard.at Warum glaubst du, ist es notwendig, eine Reihe zu starten, die sich speziell mit Frauen in elektronischer Musik und Film beschäftigt?

Mit einer Veranstaltungsreihe, die ausschließlich Frauen featured, hoffen wir die Aufmerksamkeit auf das Geschlecht der Performerinnen zu lenken, ohne dieses zu einem Kuriosum zu machen. Eigentlich wollen wir das Thema 'Gender' unterstreichen, aber auch negieren. So eine Veranstaltungsreihe wird die Situation zwar kaum beseitigen, aber sicherlich Diskussionen zu einem Thema, das weitgehend ignoriert wird, anregen.

dieStandard.at Und warum sind so wenige Frauen in Elektronischer Musik involviert?

Es gibt viele mögliche Erklärungen, die meisten sind spekulativ, keine ist einfach und wir wollen auch nicht so tun, als wüssten wir sie. In den letzten Jahren wurde davon ausgegangen, dass die technischen Barrieren für MusikerInnen weitgehend verschwunden sind. Stichwort: 'Laptop-' oder 'Home Studio Revolution'. So gut wie jedeR könne sich jetzt professionelle Technologie leisten, um damit Elektronische Musik auf sehr hohem Level zu produzieren. Wenn das wirklich so ist, warum ist dann die überbordende Mehrheit der KünstlerInnen, die sich an den Benefits der 'Home Studio Revolution' gütlich schlagen, männlich?

In Canada gibt es so etwas wie eine Tradition, dass Frauen elektronische Musik machen. Meiner Recherche nach kommt das daher, dass es dort einige Frauen geschafft haben, in den 50er, 60er Jahren Lehrstühle auf den Akademien zu bekommen. Es gibt also so etwas wie weibliche Vorbilder.

dieStandard.at Welche Ziele wollt ihr mit Xperiment>L erreichen?

Ziel ist es, eine internationale Plattform aufzubauen, die Frauen Raum gibt, ihre Audiokunst/Sounds hören zu lassen. Mädchen/Frauen zu ermutigen, ihr 'Ding' zu machen. Es geht also um ein Weitergeben und Austausch von Erfahrungen und wir hoffen auf diese Weise auch Frauen allen Alters zu erreichen, die Lust haben, ihren eigenen Sound zu kreieren und mit elektronischen Medien zu experimentieren.

Und das Resultat von Xperiment>L soll nicht ein Präsentierteller für talentierte Frauen sein, sondern weitaus provokativer: wir wollen einige der besten KünstlerInnen, die jemals Elektronische Musik produziert haben, zeigen.

dieStandard.at Worauf freut ihr euch besonders?

An den Workshops mitzumachen, interessante Frauen kennen zu lernen und vielleicht mal mit der Xperiment>L-Idee eingeladen zu werden.

Daniela Swarowsky lebt und arbeitet in Rotterdam. Die österreichische Künstlerin, Kuratorin, Produzentin und Kulturaktivistin lebte fünf Jahre in NY und war involviert in Konzerten und Festivals in NY, London, Paris, Shanghai, Rotterdam und Wien. Momentan arbeitet sie an einem Projekt namens ZiM und der Reihe Xperiment>L. Sie ist Mitglied der Kunstinitativen 'Occupying Space', Salle Demain und Wohlfahrt.

(e_mu)

Xperiment>L #1 in Rotterdam

Musikprogramm
  • mobs/NL - live electronics
  • Emi Maeda/J - harp and electronics
  • M. Singe/US - turntables

    Filmprogramm
  • Joan Jonas - 'Vertical Role', 1972
  • Inger Lise Hansen - 'Adrift', 2003
  • Abigail Child, 'Mutiny', 1982
  • billy roisz - 'blinq', 2002

    19. Mai 2004
    20:30 Uhr
    Arminius, Museumparkkerk, Museumpark 3, Rotterdam
    • Daniela Swarowsky beschäftigt sich seit 1995 intensiv mit Frauen in der Elektronischen Musik.
      swarovsky
      Daniela Swarowsky beschäftigt sich seit 1995 intensiv mit Frauen in der Elektronischen Musik.
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