Rookie Pöck gegen Superstar Jagr

30. April 2004, 22:06
posten

Duell zweier New York Rangers beim Zwischenrundenspiel Österreich - Tschechien: Teuerster Spieler der Welt gegen NHL-Rookie Pöck

Prag - Es war ein Traumdebüt nach Hollywood-Regie. Nur wenige Stunden nach seiner Vertragsunterzeichnung bei den New York Rangers lief Thomas Pöck am 23. März im Madison-Square-Garden für den Glamour-Klub ein und erzielte gleich bei seinem NHL-Debüt ein Tor. Der zweite Torschütze beim 2:5 gegen die Pittsburgh Penguins: Jaromir Jagr. Am Freitag (20:15, live TW1) stehen sich Pöck und Jagr als Konkurrenten gegenüber, wenn Österreich im ersten Zwischenrunden-Spiel der Eishockey-WM in Prag auf Gastgeber Tschechien trifft.

Rookie gegen Starspieler

Es ist ein ungleiches Duell zwischen dem WM-Favoriten und dem jungen ÖEHV-Team, zwischen dem bestbezahlten Spieler der Welt mit 1.027 Spielen und 537 Toren in der NHL und einem Rookie mit gerade einmal sechs Partien und zwei Toren. Den Star gibt Jagr aber nicht. "Er ist ruhig, aber immer freundlich und er war sehr nett zu mir. Er hat keine Allüren. Ich war überrascht, schon am zweiten Tag hat er meinen Namen gewusst", erklärt Pöck. Zu einem Treffen mit Jagr und Jan Hlavac, dem zweiten Ranger im tschechischen Team, ist es noch nicht gekommen, nur ein kurzes Gespräch im Spielerhotel Corinthian Towers war drin. "Ich hab ihm vorgeschlagen, spielen wir unentschieden", sagt Pöck mit einem Schmunzeln.

WM-Titel im Visier

Auch sonst macht sich Jagr in Prag rar. Der 32-Jährige lehnt alle Interview-Wünsche ab, stellt sich nur gelegentlich nach Spielen der Presse. Jagr will sich ganz auf die WM konzentrieren, um endlich im "Triple Gold Club" Aufnahme zu finden. Nach zwei Stanley Cup-Triumphen mit den Pittsburgh Penguins 1991 und 1992 und Olympia-Gold mit Tschechien in Nagano 1998 will der Stürmerstar endlich auch einen WM-Titel. "Es ist nicht leicht die WM zu gewinnen", sagt er.

Trophäen-Sammler

Andere Auszeichnungen hat er abgeräumt wie nur wenige vor ihm. Bereits in seiner ersten Saison in der NHL steuerte er 57 Punkte zum Stanley Cup-Triumph der Penguins bei, 1995 gewann er als erster Europäer die Art Ross Trophy für den besten Scorer der NHL. Insgesamt fünf Mal hat sich Jagr diese Trophäe geholt, in der Saison 98/99 sicherte er sich zudem die Hart-Trophy für den besten Spieler der Liga. Im Sommer 2001 wechselte der rechte Flügel von Pittsburgh zu den Washington Capitals und wurde mit seiner Unterschrift unter einen Siebenjahres-Vertrag für 88 Millionen Dollar zum teuersten Spieler. In der laufenden Saison gerieten die Capitals in finanzielle Turbulenzen und ließen Jagr im Jänner nach New York ziehen.

Traumkarriere mit Startschwierigkeiten

Was zur Traumkarriere a la Amerika wurde, begann allerdings mit Startschwierigkeiten. Jagr fühlte sich in Pittsburgh zunächst nicht wohl und hatte mit Sprachproblemen zu kämpfen. Erst als die Penguins seinen Landsmann Jiri Hrdina holten, ging es mit dem Burschen aus Kladno in der Nähe von Prag aufwärts.

Geschichtsträchtige Rückennummer 68

In seiner Heimat galt er längst als Riesentalent, das von seinem Vater Jaromir sen. gefördert wurde. Jagr sen. war der erste Trainer von Klein-Jaromir bei Poldi Kladno, mit sechs meldete er seinen Sohn bei drei Ligen an, damit er möglichst viele Trainingseinheiten erhält. Mit 15 debütierte Jagr - unter falschem Namen - bei den Profis, mit 17 gab er sein Nationalteam-Debüt, ehe ihm die Wende den Weg zu Ruhm und Geld in Amerika öffnete. Die Politik schlägt sich bei Jagr aber auch anders nieder. Zur Erinnerung an den Prager Frühling spielt der Superstar mit der Rückennummer 68. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Permanenter Gefahrenherd für die gegnerischen Linien: Jaromir Jagr (li).

Share if you care.