Topmotiviert gegen den Gastgeber

30. April 2004, 22:28
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ÖEHV-Team will heute gegen Tschechien heißes Match liefern - Kalt wahrscheinlich nicht fit - Pöck: "Das ist eine Reifeprüfung"

Prag - Noch ohne Niederlage, aber als krasser Außenseiter geht die österreichische Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in Tschechien in ihr Auftaktmatch in der Zwischenrunde. Am Freitag (20:15) trifft das Team von Herbert Pöck in Prag auf WM-Gastgeber und Favorit Tschechien, gegen den es in den bisherigen 17 Spielen nur Niederlagen gesetzt hat. "Wir wollen den Tschechen ein heißes Spiel liefern. Das ist eine Reifeprüfung, wie konstant können wir spielen", erklärte Teamchef Herbert Pöck.

Gegen 16 NHL-Spieler

Ein 88 Millionen Dollar-Mann, 17.000 Zuschauer in der längst ausverkauften Sazka-Arena, 16 NHL-Spieler im Team der Tschechen und null rot-weiß-rote Siege - für Österreich spricht nicht viel. Doch nach der starken Vorrunde wollen die jungen Österreicher, die schon Kanada ein 2:2 abgerungen haben, auch den zweiten WM-Favoriten fordern.

"Tschechien wird wahrscheinlich der neue Weltmeister. Sie spielen mit hoher Geschwindigkeit, Kraft, Genauigkeit und Engagement. Sie sind haushoher Favorit", sagte Pöck, der einen offenen Schlagabtausch vermeiden will. "Wir wollen kein Rauf und Runter, da würden wir untergehen. Wenn wir die richtige Balance finden und der Abstand zwischen Abwehr und Angriff nicht zu groß ist, können wir vielleicht verhindern, dass die Tschechen zu leichten Torschüssen kommen. Und wenn du keinen leichten Torschuss hast, musst du Divis erst bezwingen", meint der Teamchef.

Kalt verletzt

Pöck muss aber höchstwahrscheinlich sein Team umstellen. Kapitän Dieter Kalt, der sich gegen die Schweiz beim ersten Bully eine Schulterverletzung zugezogen hat, konnte am Donnerstag nicht trainieren und ist äußerst fraglich. "Wir werden nicht mit Gewalt versuchen, dass er spielt. Das ist nicht unsere letzte Partie", so Pöck, der Raimund Divis von der vierten in die erste Linie mit Vanek und Trattnig vorzieht und Horsky in der vierten Sturmreihe bringen wird.

Die tschechische Mannschaft saß fast geschlossen auf der Tribüne, als Vanek und Co. die Kanadier an den Rand einer Niederlage brachten. "Sie haben mich überrascht. Sie haben einige Spieler, die eisläuferisch sehr gut sind, sie arbeiten gut als Team, haben ein gutes Pass-Spiel und können auch schießen", erklärte Martin Rucinsky. Der NHL-Stürmer der Vancouver Canucks hat zuletzt bei der WM 1999 in Norwegen beim 7:0 gegen Österreich gespielt, "seitdem haben sie sich sehr stark verbessert. Wir müssen unser bestes Hockey spielen", so Rucinsky, der mit Vanek mit je sieben Punkten die Scorer-Wertung anführt. Der Youngster ist dem Tschechen so wie alle anderen Österreicher namentlich nicht bekannt, "aber wenn das der mit der Nummer 15 ist, dann müssen wir auf ihn aufpassen."

Am Samstag gegen Deutschland

Nach dem Tschechien-Spiel bleibt den Österreichern nicht viel Zeit zur Erholung. Bereits am Samstag (20:15) steigt gegen Deutschland das vorentscheidendes Spiel im Kampf um einen Platz im Viertelfinale. "Deutschland ist wie im Fußball eine Turnier-Mannschaft, die werden von Spiel zu Spiel besser", spricht Markus Peintner die Steigerung der Deutschen an, die nach schwachem Auftakt gegen Kasachstan zuletzt Tschechien beim 1:5 zwei Drittel lang Paroli geboten haben. "Doch dann kam die tschechische Lawine und überrollte uns", sagte der deutsche Teamchef Hans Zach.

Schon im Vorjahr rechneten sich die Österreicher im Duell mit dem "großen Bruder" gute Chancen aus. Doch statt des ersten Siegs in einem Bewerb-Spiel seit 1964 (8:1 bei Olympia in Innsbruck) oder dem ersten Sieg bei einer WM seit 1934 (2:1 in Mailand) setzte es nach schwacher Leistung eine 1:5-Niederlage. Diesmal wollen die Österreicher den Spieß umdrehen. "Die Frage wird sein: Sind wir reifer geworden, obwohl wir verjüngt haben? Aber nur wenn wir gegen Tschechien gut spielen, werden wir auch gegen Deutschland gut spielen. Denn nur dann gehen wir mit Selbstvertrauen ins Spiel", sagte Pöck, der bei den Deutschen Kraft, Disziplin und die starke Defensive hervorhebt. Pöck: "Sie haben keinen Zauberspieler, aber du siehst von ihnen kaum ein schwaches Spiel." (APA)

  • Bei den Tschechen tummeln sich jede Menge NHL-Stars.

    Bei den Tschechen tummeln sich jede Menge NHL-Stars.

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