Unruhen im Kosovo: UNO veröffentlicht Untersuchungsbericht

30. April 2004, 15:22
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UN-Ermittler sieht keine Beweise für Mitschuld von Serben an Tod dreier albanischer Kinder

Pristina - Sechs Wochen nach den gewaltsamen Ausschreitungen im Kosovo haben die Vereinten Nationen einen Untersuchungsbericht zum Tod von drei albanischen Kindern veröffentlicht, der die Unruhen ausgelöst hatte. Es hätten sich keine Beweise dafür gefunden, dass Serben die Kinder in den Fluss Ibar getrieben hätten, teilte UN-Sprecher Neeraj Singh am Mittwoch in Pristina mit. Entsprechende Aussagen eines überlebenden Kindes hatten am 17. März zu gewaltsamen Übergriffen wütender Albaner auf die serbische Minderheit geführt.

Der überlebende 13-Jährige hatte erklärt, sein Bruder und zwei weitere Kinder seien ertrunken, weil serbische Jugendliche einen Hund auf sie losgelassen und sie dadurch in den eiskalten Fluss getrieben hätten. Der von den UN beauftragte Ermittler Peter Tinsley schreibt in seinem Untersuchungsbericht jedoch, in den Aussagen des überlebenden Jungen gebe es "erhebliche Unstimmigkeiten". Zudem seien keine Verdächtigen gefunden worden, die auf die grobe Beschreibung des Jungen passten. Der Verdacht auf eine Straftat werde durch die Beweislage nicht begründet.

Albanischer Rebellenführer festgenommen

NATO-Soldaten nahmen unterdessen einen früheren albanischen Rebellenführer fest, den sie für die Ausschreitungen gegen Serben mitverantwortlich machen. Sami Lushtaku sei am Mittwochmorgen verhaftet worden, teilte ein Sprecher der KFOR-Truppe mit. Bei den Unruhen vor sechs Wochen waren 19 Menschen getötet und über 900 verletzt worden, zahlreiche Serben wurden aus ihren Häusern vertrieben.

Zehn Tage nach einem tödlichen Feuergefecht zwischen Sicherheitskräften der UN-Mission im Kosovo wurden am Mittwoch drei Verdächtige auf freien Fuß gesetzt. Gegen die drei Jordanier werde aber weiterhin ermittelt, hieß es. Ein vierter Jordanier bleibt weiterhin in Haft. Die Behörden versuchen herauszufinden, ob die Männer ihrem Kommandeur bei seinem Angriff auf eine Gruppe von Justizvollzugsbeamten halfen.

Der jordanische Polizeikommandeur hatte aus bisher ungeklärten Gründen das Feuer auf die Beamten eröffnet und drei Amerikaner getötet, ehe er selbst erschossen wurde. Der Vorfall ereignete sich vor einem Gefängnis in der Stadt Kosovska Mitrovica, zu dessen Bewachung der Täter und seine vier Landsleute abgestellt waren. (APA/AP)

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