Eklat im französischen Parlament wegen Antisemitismus-Vorwurf

29. April 2004, 14:53
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Sarkozy weist Sozialisten Mitschuld am Erstarken der Judenfeindlichkeit zu

Paris - Eklat im französischen Parlament: Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy hat am Mittwoch den Sozialisten eine Mitschuld am Erstarken des Antisemitismus zugeschrieben, worauf deren Abgeordnete unter Protest ihre Plätze verließen.

Nach fünf Jahren Regierungszeit des sozialistischen Premierministers Lionel Jospin hätten die USA geglaubt, dass Frankreich ein antisemitisches Land sei, sagte der konservative Sarkozy. Er dagegen sei bei seiner jüngsten USA-Reise von allen jüdischen Organisationen eingeladen worden, die "Frankreich für den entschiedenen Kampf danken wollten, den wir gegen den Antisemitismus führen". Sarkozy war bis vor kurzem Innenminister.

Die jüdischen Organisationen hätten ihm eine Auszeichnung verleihen wollen, das wäre seinem sozialistischen Vorgänger im Amt des Innenministers, Daniel Vaillant, sicher nicht passiert, sagte Sarkozy als Antwort auf eine Frage eines sozialistischen Abgeordneten, ob bei seiner USA-Reise nicht zu sehr seine Person und weniger die Interessen Frankreichs im Mittelpunkt gestanden hätten.

Vaillant forderte eine Entschuldigung von Sarkozy und mahnte, man könne nicht die höchsten Staatsämter anstreben und ständig seine Beherrschung verlieren. Sarkozy hat offen seine Ambitionen auf das Präsidentenamt zugegeben.

Bereits am Dienstag war der Minister im Parlament mit dem sozialistischen Abgeordneten Henri Emmanuelli zusammengestoßen. Dieser berichtete, Sarkozy habe ihm gedroht: "Pass auf! Pass nur gut auf Dich auf!" Angeblich soll Emmanuelli ihn zuvor als "Kaspar" bezeichnet haben. (APA/AP)

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