Serbien: "Rote Barette" kündigten in Belgrader Boulevardblatt Rückkehr an

28. April 2004, 16:53
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Sonderpolizeieinheit will in alten Uniformen vor Gericht erscheinen - Nach Ermordung Djindjics aufgelöst

Belgrad - Die frühere berüchtigte "Rote Barette" hat am Dienstag ihre Rückkehr angekündigt. Die serbische Sonderpolizeieinheit wird sowohl mit dem Mordanschlag auf den serbischen Regierungschef Zoran Djindjic im März des Vorjahres wie auch mit einer Reihe anderer Morde in Verbindung gebracht. Im Gespräch mit dem Belgrader Boulevardblatt "Kurir" (Dienstag-Ausgabe) erklärte ein ehemaliger Angehöriger der im vergangenen Jahr aufgelösten Einheit, die früheren "Roten Barette" würden demnächst in ihren alten Uniformen auftreten. Sie wollten im Sondergericht zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, wo der Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder des Ministerpräsidenten stattfindet, erscheinen.

Für großes Aufsehen hatten vergangene Woche bereits sechs Ex-Mitglieder der "Roten Barette" gesorgt, die im Gerichtssaal in T-Shirts der berüchtigten Einheit aufgetaucht waren. Nach der Ermordung Djindjics waren die "Roten Barette" aufgelöst worden. Ihre Angehörigen fanden Anstellungen unter anderem bei der Gendarmerie.

"Aus politischer Sicht begründet"

"Kapitän Joe", mit dem das Belgrader Blatt sprach, bezeichnete die Ermordung von Djindjic als "aus politischer Sicht begründet". "Für uns ist es nichts, einen Menschen zu töten", erklärte er. "Kapitän Joe" soll in den frühen 90er Jahren vier Jahre lang den Freischärlern des berüchtigten ehemaligen serbischen Milizenführers Zeljko Raznatovic "Arkan" angehört haben.

Der Belgrader Militäranalytiker Aleksandar Radic bezeichnete das Auftreten von ehemaligen Angehörigen der "Roten Barette" in der Öffentlichkeit als "eine bestimmte Stufe der Rehabilitierung" der mutmaßlichen Mörder Djindjics. Die Schüsse auf den Regierungschef im Vorjahr sollen vom damaligen stellvertretenden Kommandanten der Einheit, Zvezdan "Zveki" Jovanovic, abgegeben worden sein.

Biljana Kovacevic-Vuco, die Leiterin der nichtstaatlichen Organisation der Menschenrechtsjuristen (JUKOM), ist der Ansicht, dass das Interview mit Angehörigen der "Roten Barette" ein Zeichen dafür sei, dass die "finsterste Zeit in einer legalen Form" zurückkehre. Nach Ansicht Kovacevic-Vucos wäre nach dem "Kurir"-Bericht ein Eingreifen der Staatsanwaltschaft unbedingt erforderlich. (APA)

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