Mbeki legte Eid für zweite Amtszeit ab

21. Juli 2004, 19:02
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Mit dem alten neuen Präsidenten startet das Land "in die zweite Dekade der Demokratie" - Fest zum zehnten Jahrestag des Endes der Apartheid

Pretoria - In einer fröhlichen Zeremonie hat der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki am zehnten Jahrestag des Endes der Apartheid den Eid für eine zweite Amtszeit abgelegt. "Heute starten wir in die zweite Dekade der Demokratie", sagte Mbeki am Dienstag in Pretoria unter dem Jubel zehntausender Menschen und in Anwesenheit zahlreicher namhafter Gäste. Exakt zehn Jahre zuvor war Nelson Mandela zum ersten schwarzen Präsidenten der südafrikanischen Geschichte gewählt worden. 46 Jahre Rassentrennung gingen damit offiziell zu Ende.

So wie Afrika lange "das Beispiel schlimmster menschlicher Verzweiflung" abgegeben habe, werde es "mit Sicherheit zu einem Ort aller menschlicher Hoffnungen", sagte Mbeki.

Fernsehübertragungen

In ausgelassener Stimmung starteten die Feierlichkeiten mit Liedern, Gebeten mehrerer Glaubensrichtungen, mit 21 Salutschüssen und einer Flugschau. Zehntausende Menschen verfolgten vor dem prächtigen Regierungsgebäude in Pretoria auf riesigen Bildschirmen Filme über den Anti-Apartheidskampf und die Freilassung Mandelas 1990. Als Mandela eintraf, wurde der 85-jährige Ex-Präsident mit stehenden Ovationen und langem Applaus begrüßt. Ein Chor stimmte spontan ein Lied zu seinen Ehren an.

Zu den Ehrengästen gehörten neben rund hundert Staats- und Regierungschefs, Ministern und Königen auch Mandelas Vorgänger, Frederik de Klerk, und der Vorsitzende des Internationalen Fußballverbandes (FIFA), Joseph Blatter. Auch der wegen seiner umstrittenen Landreform zu Lasten der Weißen außerhalb Afrikas umstrittene simbabwesische Präsident Robert Mugabe wurde von der Menge mit lautem Applaus begrüßt.

Zeit der Apartheid

In seiner Antrittsrede erinnerte Mbeki an die Zeit der Apartheid. Unter der Herrschaft der weißen Bevölkerungsminderheit sei Südafrika ein Ort gewesen, "wo es bedeutete, einen lebenslangen Fluch geerbt zu haben, wenn man mit schwarzer Hautfarbe zur Welt kam". Die Weißen ihrerseits hätten "mit der ständigen Last der Angst und der unterdrückten Wut" leben müssen. "Jetzt sind wir jeden Tag stolz darauf, dass schwarze und weiße Südafrikaner entdecken, dass sie letztlich aufeinander aufpassen müssen", sagte er. Während seines ersten Jahrzehnts als Demokratie habe Südafrika gezeigt, dass "wir Afrikaner unsere Probleme alleine lösen können". Mbeki hatte mit seiner Partei, dem im Jahr 1912 gegründeten Afrikanischen Nationalkongress (ANC), bei der Parlamentswahl vor zwei Wochen fast 70 Prozent der Stimmen geholt. Er wurde damit für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.

"Wir wurden in Freiheit geboren!"

Nach der Vereidigung begann die Zehn-Jahres-Feier zum Apartheidsende. Eine Gruppe zehnjähriger Kinder erklärte auf der Bühne: "Wir wurden in Freiheit geboren!" und führte dann einen Tanz auf. In einem Film wurden die südafrikanischen Erfolge aus den vergangenen zehn Jahren zelebriert wie der Rugby World Cup 1995, den Schwarze und Weiße gemeinsam auf der Straße feierten. Beim anschließenden Open-Air-Konzert sollten rund 200 südafrikanische Stars auftreten, darunter auch die Sängerin Miriam Makeba.

MIt einem Glückwunschschreiben an den südafrikanischen Botschafter in Wien gratulierten die österreichischen Grünen der "Regenbogen-Republik" Südafrika zu ihrem zehnjährigen Demokratie-Jubiläum. "Unter den beiden Präsidenten Nelson Mandela und Thabo Mbeki hat der ehemalige Apartheid-Staat Entscheidendes geleistet, um die materiellen und geistigen Folgen der jahrzehntelangen rassistischen Diktatur zu beseitigen," betonte die außenpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Lunacek, in einer Aussendung am Dienstag. Sie hob die Verbesserung der Lebenssituation von Millionen Menschen in Südafrika hervor, aber auch die Beteiligung der südafrikanische Regierung an der Friedensvermittlung und -sicherung in anderen afrikanischen Ländern. (APA/AFP/dpa/AP)

Nachlese

"Ein positives, weltweites Signal": Der Vorsitzende des Dokumentations- Zentrums Südliches Afrika im derStandard.at- Interview

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    Jubelstimmung in Pretoria

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