Großbritannien: Ex-Diplomaten kritisieren Blairs Außenpolitik in beispielloser Art

27. April 2004, 22:54
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Offener Brief: "Zum Scheitern verdammte" Nahost- und Irak-Politik der USA darf nicht unterstützt werden

London - Ehemalige Spitzendiplomaten Großbritanniens haben Premierminister Tony Blair in einer beispiellosen Art und Weise wegen seiner an den USA ausgerichteten Außenpolitik kritisiert. In einem am Montag an Blair verschickten Brief forderten sie den Regierungschef auf, Einfluss auf "die zum Scheitern verdammte" Nahost- und Irak-Politik der USA zu nehmen oder ihr die Unterstützung zu entziehen.

Die 52 Ex-Diplomaten - darunter ehemalige Botschafter in Israel und dem Irak - schrieben, sie sehen die Politik mit tiefer Sorge, die Blair in der arabisch- israelischen Frage und im Irak in enger Zusammenarbeit mit den USA verfolgt habe. "Wir halten die Zeit für gekommen, unsere Ängste öffentlich zu machen, in der Hoffnung, dass sie an das Parlament weitergegeben werden und zu einer grundlegenden Bereinigung führen", hieß es in dem Reuters vorliegenden Brief. Ein Sprecher Blairs war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

"Zum Scheitern verdammt"

Die Ex-Diplomaten forderten Blair auf, seine Allianz mit US-Präsident George W. Bush zu "wirklichem Einfluss als loyaler Verbündeter" zu nutzen. "Falls dies nicht akzeptiert wird oder unwillkommen ist, gibt es keinen Grund, eine Politik zu unterstützen, die zum Scheitern verdammt ist", hieß es in dem Brief. Blair ist im Irak-Konflikt der engste Verbündete Bushs. Innenpolitisch geriet er wegen seiner Irak-Politik zunehmend unter Druck, da die meisten Briten gegen den Krieg waren.

Kein Plan für Zeit nach Saddam

"Niemals war die Politik einer Regierung so umstritten", sagte der Koordinator des Diplomaten-Briefes, Oliver Miles, ein ehemaliger Botschafter Großbritanniens in Griechenland. "Unser Ziel ist es nicht, Blair politisch zu schaden, sondern die Hand derjenigen zu stärken, die so denken wie wir."

Die Ex-Diplomaten kritisierten, dass es offenbar keinen Plan für die Nachkriegszeit nach dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein im Irak gegeben habe. "Es gab keinen Plan für die Zeit nach Saddam. "Den Widerstand als von Terroristen, Fanatikern und Ausländern geführt zu beschreiben, ist weder überzeugend noch hilfreich." Den USA warfen die Ex-Diplomaten vor, die Erwartungen in den Bemühungen um eine Friedenslösung im Nahost-Konflikt nicht erfüllt zu haben. Die Hoffnungen auf eine Führungsrolle der USA zur Umsetzung des internationalen Friedensplans seien unbegründet gewesen. (APA/Reuters)

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