Falluja: Neue Kämpfe dämpfen Hoffnung auf Waffenruhe

27. April 2004, 21:15
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UNO-Sicherheitsrat berät über Irak - Powell kündigt Beschränkungen für künftige irakische Regierung an

New York/Bagdad - Der UNO-Weltsicherheitsrat in New York befasst sich heute (Dienstag) Abend erneut mit der politischen Zukunft des Iraks. Der UNO-Sonderbeauftragte für den Irak, Lakhdar Brahimi, will den Rat über seine zehntägigen Gespräche mit Irakern und die daraus resultierenden Vorschläge für die Bildung einer Übergangsregierung in Bagdad bis zum 30. Juni informieren.

UNO-Diplomaten rechnen mit Auseinandersetzungen im Sicherheitsrat über die von den USA und Großbritannien angestrebte Resolution. Unterschiedliche Auffassungen gebe es unter anderem über die abschließende Einschätzung zu angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen, die künftigen Machtbefugnisse der USA im Irak und die konkrete Aufgabenzuweisung an die UNO.

"Begrenzte Souveränität"

Nach den Worten von US-Außenminister Colin Powell wird die künftige irakische Regierung zunächst nur über eine begrenzte Souveränität verfügen. Powell sagte am Montag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters, die irakische Regierung müsse einen Teil der Befugnisse an die US-geführten Streitkräfte abgeben: "Es ist wichtig, dass die multinationale Truppe unter ihrem eigenen Kommando operieren kann."

Der derzeitige irakische Ratspräsident Massud Barzani hat den USA eine Reihe von Fehlern und Versäumnisse vorgehalten. Die militärische Konfrontationen in Najaf und Falluja seien Ergebnis eines Prozesses, in dem aus Befreiern Besatzer geworden seien, sagte der kurdische Politiker in einem Interview der Nachrichtenagentur Associated Press in Bagdad. Nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein hätte sofort eine Übergangsregierung eingesetzt werden können.

Falluja: Neue Kämpfe dämpfen Hoffnung auf Waffenruhe

Im Irak wurden unterdessen am Montag bei einer Serie von Angriffen auf die Koalitionstruppen drei US-Soldaten und acht Iraker getötet. Bei einer Explosion im Norden Bagdads wurde ein Gebäude zerstört, in dem vermutlich Chemikalien lagerten. Nach Angaben eines US-Militärsprechers wurden dabei zwei amerikanische Soldaten getötet und fünf verletzt. Bei heftigen Kämpfen in der Unruhestadt Falluja wurde ein US-Soldat getötet und acht weitere verletzt. Östlich der Stadt Diwaniya kamen spanische Soldaten unter Beschuss. Die Spanier hätten den Angriff zurückgeschlagen, sechs irakische Angreifer getötet und sieben gefangen genommen, teilte das Verteidigungsministerium in Madrid mit.

Ein Sprecher des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr hat alle irakischen Moslems aufgefordert, die heilige Schiitenstadt Najaf gegen einen möglichen US-Angriff zu verteidigen. Sollten US-Truppen nach Najaf einrücken, müssten "alle Moslems in Irak, wo immer sie auch sind, die Stadt mit allen ihnen angemessen erscheinenden Mitteln verteidigen", sagte der Sprecher von Sadrs Mehdi-Miliz, Kais el Chasaali, am Montagabend im arabischen Fernsehsender Al Jazeera. US-Soldaten und Al Sadr-Anhänger lieferten sich in der Nacht zum Dienstag am Rand der südirakischen Stadt Kufa bei Najaf Feuergefechte.

Eine islamistische Website hat unterdessen eine angeblich von dem gesuchten Jordanier Abu Musab el Sarkawi stammende Botschaft veröffentlicht, in der dieser die Verantwortung für die versuchten Anschläge auf die Ölverladeanlagen im Hafen von Basra übernimmt. Bei den versuchten Selbstmordanschlägen waren am Samstagabend drei US-Soldaten getötet und vier weitere verletzt worden, als sie ein Boot der Attentäter kontrollieren wollten.

Ex-Diplomaten kritisieren Blairs Nahost-Politik In einem offenen Brief haben 52 ehemalige britische Top-Diplomaten die Nahost- und Irak-Politik von Premierminister Tony Blair kritisiert. Die ranghohen Diplomaten, darunter frühere Botschafter in Bagdad und Tel Aviv, forderten ein Ende von Blairs Unterstützung für die "verfehlte" Politik der USA im Irak und im Nahen Osten, wie die BBC am Montag berichtete. Sie forderten eine Dringlichkeitssitzung des Parlaments zu dem Thema. (APA/dpa/Reuters)

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    Rauch steigt über Gebäuden in Falluja auf

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