Neuer Augenzeuge zu Entführung von Dutroux-Opfern

29. April 2004, 21:19
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Nihoul war Informant der Polizei

Brüssel/Arlon - Ein möglicher Augenzeuge der Entführung von zwei Opfern des belgischen Kinderschänders Marc Dutroux hat sich fast neun Jahre nach der Tat zu Wort gemeldet. In der Zeitung "Le Soir" vom Montag erklärte der heute 69 Jahre alte Mann, er habe am fraglichen Tag zwei Männer gesehen, die auf einer Autobahnbrücke zwei kleine Mädchen festhielten. Die Szene nahe dem Wohnort der beiden Achtjährigen Julie und Melissa könnte die Entführung dieser beiden jüngsten Dutroux-Opfer am 24. Juni 1995 gewesen sein. Julie und Melissa verdursteten später im Keller eines Dutroux-Hauses.

Der mögliche Augenzeuge hatte im Vorüberfahren zwei junge Männer mit kurzen dunklen Haaren erkannt. Ein festgehaltenes Kind habe mit den Beinen gestrampelt, das zweite Mädchen sei vor dem anderen Mann davongelaufen. Der 69-Jährige gab seine Beobachtung nach eigener Darstellung erst im Jahr 2002 zu Protokoll, nachdem er von Unsicherheiten der Eltern über die genauen Umstände der Entführung im Fernsehen erfahren habe. Untersuchungsrichter Jacques Langlois habe die Aussage nicht weiter verfolgt. Langlois geht davon aus, dass die Mädchen ohne irgendwelchen Zwang in einen dunklen Kleinwagen stiegen.

Im Dutroux-Prozess vor dem Schwurgericht von Arlon erklärte ein Polizist am Montag, dass der Mitangeklagte Michel Nihoul als Informant der Polizei arbeitete. Er bestätigte jedoch nicht die Darstellung Nihouls, wonach dessen Drogengeschäfte allein dazu dienten, sich das Vertrauen von Dutroux und dessen Komplizen Michel Lelievre zu erschleichen. In dem Prozess geht es um die Entführung von sechs Mädchen, von denen vier während ihrer Gefangenschaft qualvoll starben. Nihoul gilt als möglicher Verbindungsmann Dutroux' zu einem Pädophilen-Netz.(APA/dpa)

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