Volksbanken-Offensive im Orient

11. Februar 2005, 15:39
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Die Österreichische Volksbanken AG stellt sich in Süd- und Osteuropa neu auf: Die Tochter auf Malta, bisher eine reine "Offshore-Bank" mit Steuervorteilen, soll zur Drehscheibe im Geschäft mit dem Orient werden

Die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) will ihre Tochter in Malta zur Drehscheibe des Geschäfts mit Nordafrika, dem Nahen Osten und der Türkei machen. Wie Generadirektor Klaus Thalhammer in einem Pressegespräch auf Malta erklärte, soll dabei das Schwergewicht auf der Handelsfinanzierung liegen.

Auch die Refinanzierung des ÖVAG-Konzerns über Malta soll forciert werden. Derzeit gingen viele Gelder aus den Maghrebstaaten primär zu englischen Banken. "Von diesem Kuchen wollen wir uns ein Stück abschneiden", sagte Thalhammer.

Geschäftsvolumen verdoppeln

Ziel des ÖVAG-Chefs ist es, das Geschäftsvolumen der Volksbank Malta in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln. Im vergangenen Jahr kam das Institut mit 25 Mitarbeitern auf eine Bilanzsumme von 800 Mio. Euro und erwirtschaftete ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 7,6 Mio. Euro.

Die 1996 gegründete Volksbank Malta wurde bis November vorigen Jahres als Offshore-Bank geführt, das heißt sie war vom Inlandsgeschäft ausgeschlossen. Hauptziel war es, ÖVAG-Kunden von den Steuervorteilen Maltas, die das Land auch in die EU hinüberretten konnte, profitieren zu lassen.

Diese Steuervorteile bezifferte ÖVAG-Vorstandsdirektor Manfred Kunert auf 15 bis 20 Basispunkte (0,15 bis 0,20 Prozentpunkte), was bei größeren Vermögen nicht unerheblich sei.

Offensive in Mittel- und Osteuropa

In die Offensive geht der ÖVAG-Konzern auch in Mittel- und Osteuropa. Das Netzwerk, das bisher Töchter in Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Rumänien, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzogowina umfasste, wird ergänzt: In Serbien wurde die Trust Banka erworben, die mit 40 Mitarbeitern auf eine Bilanzsumme von 20 Mio. Euro kommt.

Der Schwerpunkt der bisherigen Geschäftstätigkeit liegt in der Handels- und Kreditfinanzierung für Kommerzkunden, betonte Thalhammer, der noch für heuer den schrittweisen Aufbau eines Filialnetzes in Serbien ankündigte.

Bilanzsumme von 2,3 Milliarde Euro

Die kumulierte Bilanzsumme der Osttöchter betrug Ende 2002 2,3 Mrd. Euro. Zusammengefasst sind sie in der Volksbanken International (VBI), einer Tochter der VOBA Holding, die wieder im ausschließlichen Eigentum der ÖVAG steht.

An der VOBA will sich in Zukunft auch die Osteuropa-Bank EBRD beteiligen. Knapp zehn Prozent würden laut Thalhammer etwa 100 Mio. Euro kosten, was der ÖVAG Mittel für die Expansion verschaffen würde.

Nach dem Vorbild der Sparkassen bastelt die Volksbankengruppe derzeit auch an einem Verbund. "Wir wollen als dezentraler Verbund gesetzlich anerkannt werden", so ÖGV-Chef und Verbandsanwalt Hans Hofinger.

Die Möglichkeit der Eigenmittelkonsolidierung würde 250 bis 280 Mio. Euro bringen, die über ein besseres Rating und damit billigeres Fremdkapital allen Volksbanken zugute käme. (DER STANDARD Printausgabe, 31.05.2003)

Günter Baburek aus Malta
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