Auf der Suche nach dem "Super-Kaffee"

29. April 2004, 12:37
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Brasilianische Forscher haben das Erbgut der Kaffeepflanze entziffert - Stellung des größten Kaffeeproduzenten der Welt soll gefestigt werden

Rio de Janeiro - Brasilianische Wissenschafter haben das Erbgut des Kaffees entziffert. Eine Datenbank mit rund 200.000 DNA-Abschnitten soll neue Erkenntnisse und verbesserte Varianten des Kaffeestrauchs Coffea arabica bringen und so die Stellung des größten Kaffeeproduzenten der Welt festigen, wie ein Sprecher des Brasilianischen Verbandes zur Kaffeeforschung und -entwicklung (CBPDC) berichtete.

da Silva feiert den Kaffee

Brasilien sei mit diesem Erfolg im Rennen um produktivere Kaffeesorten deutlich in Führung gegangen, so der Sprecher weiter. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva will die Entzifferung des Kaffee-Erbguts in den nächsten Wochen feierlich in Brasilia bekannt geben.

Resistenter "Super-Kaffee" angestrebt

Die Forscher wollen die Pflanze nach eigenen Angaben produktiver und resistenter gegen Schädlinge machen und streben unter anderem ein nahrhafteres Getränk mit verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Entziffert wurde das Kaffee-Erbgut von der Forschungsstiftung Fapesp im Bundesland Sao Paulo gemeinsam mit dem staatlichen Agrarforschungsunternehmen Embrapa und mit finanzieller Unterstützung des CBPDC.

Verfahren bereits bei Zuckerrohr und Eukalyptus angewendet

"Das ist schon fast Routinearbeit", betonte der wissenschaftliche Leiter von Fapesp, Jose Fernando Perez. Wichtig sei, dass für die Landwirtschaft bedeutende Pflanzenarten sequenziert würden. "Wir haben das bereits mit Zuckerrohr und Eukalyptus gemacht und nun war der Kaffee dran."

Die Kaffeeforschungsarbeiten kosteten den Angaben zufolge bisher knapp sechs Millionen Real (1,69 Mill. Euro). Experten schätzen, dass der finanzielle Nutzen weit höher liegen wird. Durch gezielte genetische Veränderungen der Kaffeepflanzen auf Basis der neuen Erkenntnisse lasse sich dank Produktivitätsgewinn und niedrigerer Ausgaben für Schädlingsbekämpfungsmittel mindestens eine Milliarde Real (281 Mill. Euro) im Jahr einsparen.

Schwieriger wird die Identifikation der einzelnen Gene und Vergleich mit anderen Organismen

Nach der Entzifferung des Kaffeegenoms kommt auf die brasilianischen Wissenschafter laut Perez nun allerdings die schwierigste Arbeit zu. Die Gene müssen zunächst identifiziert und dann mit denen anderer Organismen verglichen werden, um schließlich ihre Funktion herauszufinden. Diese Arbeit könne viele Jahre dauern.

Brasilien hat einen Anteil von rund einem Drittel am weltweiten Kaffeeanbau. Die Bohne ist für zwei Prozent der Exporte und sieben Millionen Arbeitsplätzen in dem südamerikanischen Land verantwortlich. Die untersuchte Sorte Coffea arabica macht 80 Prozent der brasilianischen Produktion aus. (APA/dpa)

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