Arafat: "Ich habe keine Angst"

26. April 2004, 16:18
10 Postings

Palästinensischer Präsident von Sharons Drohungen unbeeindruckt - Beschwerde bei internationalen Politikern

Jerusalem/Gaza/Ramallah - Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat sich unbeeindruckt von den Äußerungen des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon gezeigt, der keine Garantie mehr für eine Verschonung Arafats geben will. Sharon hatte am Freitag erklärt, er sehe sich nicht mehr an ein den USA gegebenes Versprechen gebunden, Arafat keinen Schaden zuzufügen.

Arafat: "Sharon und seine Bande können uns nicht erschüttern"

Vor jubelnden Anhängern in Ramallah wies Arafat die Drohung erneut zurück. Der Palästinenserpräsident forderte die etwa 2.000 Menschen am Samstag vor seinem Hauptquartier in Ramallah auf, nicht in die Knie zu gehen. "Sharon und seine Bande können uns nicht erschüttern", sagte er.

Arafat sagte einem israelischen Abgeordneten aber auch, dass er die Aussage Sharons ernst nehme

Der israelische Abgeordnete Ahmed Tibi hatte Arafat zuvor mit den Worten zitiert: "Ich habe keine Angst vor Sharons Drohungen." Sharon habe bereits mehrfach versucht, ihn ins Visier zu nehmen. Tibi sagte, Arafat habe ihm in einem Telefonat gleichwohl gesagt, dass die Palästinenser-Regierung die Aussage Sharons ernst nehme.

Sharon: "Löse mich von dieser Verpflichtung" Arafat zu verschonen

Sharon hatte am Freitag im israelischen Fernsehen gesagt, er habe bei seinem ersten Treffen mit US-Präsident George W. Bush dessen Bitte zugestimmt, Arafat körperlich nicht zu schaden. "Aber ich bin an diese Zusage nicht mehr gebunden. Was Arafat betrifft, löse ich mich von dieser Verpflichtung", fügte er hinzu. Bereits in Zeitungsinterviews Anfang des Monats war Sharon von der Zusage abgerückt, Arafat keinen Schaden zuzufügen. Er hatte gesagt, er empfehle keiner Versicherung, dem Palästinenser-Präsidenten eine Police auszustellen.

Israel hatte in den vergangenen Wochen den Gründer der radikalislamischen Palästinenser-Organisation Hamas, Scheich Ahmed Yassin, und seinen Nachfolger im Gaza-Streifen, Abdelaziz el Rantisi, mit gezielten Raketenangriffen getötet. Die Hamas kämpft für die Zerstörung Israels und hat bei Anschlägen zahlreiche Israelis getötet.

Arafat wendet sich nach Sharons Drohung an internationale Politiker

Palästinenserpräsident Yasser Arafat hat sich bei führenden internationalen Politikern über die erneuten Todesdrohungen des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon gegen seine Person beschwert. Wie Arafats Berater Nabil Abu Rudeina der Nachrichtenagentur AFP sagte, rief Arafat am Freitagabend ägyptische, jordanische, arabische und europäische Führer an, um sie über die Folgen der Gewalteskalation in den Palästinensergebieten und Sharons Drohungen zu unterrichten.

Zuvor hatte Sharon in einem Fernsehinterview gesagt, er fühle sich nicht mehr an sein US-Präsident George W. Bush vor drei Jahren gegebenes Versprechen gebunden, Arafat nichts anzutun. In dem Interview sagte der israelische Regierungschef, Arafat genieße "keine Immunität mehr". Sharon hatte Arafat in den vergangenen Wochen bereits mehrmals mit dem Tod gedroht. In einem Interview der Zeitung "Haaretz" sagte er Anfang April, er würde "keiner Versicherung vorschlagen, mit Arafat eine Lebensversicherung abzuschließen". (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.