Hofburg – erhoffte Endstation

25. April 2004, 16:57
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Heinz Fischer gab sich zum Wahlkampfabschluss zuversichtlich, einen "Fünfer" zu bekommen

Wien - Beim Händeschütteln im Zug kann man alte Bekannte treffen. "Können Sie sich erinnern? Wir waren einmal auf einer Konferenz in Tschechien . . " – "Ja, natürlich, schön, Sie wiederzusehen", versichert Heinz Fischer treuherzig. Und hört gern, was ihm der Tscheche auf den Händeschüttelweg durch die Wagons mitgibt: "Es wäre schön, wenn Österreich wieder einen sozialdemokratischen Präsidenten hätte."

Kipferln und Blasmusik

Solche Solidaritätskundgebungen findet Fischer natürlich nett. Blöd bloß, dass Tschechen am Sonntag nicht wahlberechtigt sind: Will doch Fischer im Wahlkampfendspurt auf möglichst viele Wählerinnen und Wähler treffen – daher tourte er von Mittwoch bis Freitag im Fischer- Sonderwagon 1667 Zugkilometer quer durch Österreich.

Über Bahnhöfe kann Fischer jetzt niemand mehr etwas erzählen, nicht einmal ÖBB-Fan und Mitpassagier Josef Broukal: Von Klagenfurt bis Bregenz, von Salzburg bis St. Pölten – überall hat er gewunken, Kipferln verteilt, so oft wie möglich die Wörter "Neutralität" und "soziale Sicherheit" erwähnt, den Blasmusikkapellen zugehört – und viele Hände geschüttelt.

"Seit März habe ich sicher 30.000 Menschen die Hand gegeben, jetzt auf der Zugtour werden wieder 1000 dazugekommen sein", schätzt Fischer – und wundert sich selbst, dass ihm das ungewohnte Wahlkämpfen in der ersten Reihe "so viel Spaß" macht. Aufgeregt tänzelt er immer wieder durch die Wagons, wippt bei jeder Blasmusikkapelle wieder mit, hüpft demonstrativ energiegeladen auf Bahnsteige – und gibt sich zuversichtlich, dass die wirkliche Endstation des Fischer- Sonderzugs die Hofburg ist: "Wir sind nun fast am Gipfel, haben noch genügend Reserven und werden den Gipfel gemeinsam erreichen."

Dementsprechend euphorisch fällt auch Fischers Ankunft am Freitagnachmittag in Wien aus – das Ende einer 72- stündigen Zugfahrt. Junge Fischer-Groupies im Heinz-T- Shirt winken mit rot-weiß-roten Fahnen, schreien "Heinzi, Heinzi!" und halten die "Politik braucht Gewissen"-Plakate hoch. Und als dann noch die Volleyballmannschaft hotVolleys Fischer den Siegesvolleyball zuwerfen und schrill kreischen, könnte man meinen, ein Nachwuchspopstar wird empfangen.

Staatstragend im Finale

Wesentlich staatstragender, ernster und ruhiger dann der offizielle Wahlkampfabschluss am Freitagabend im Wiener Museumsquartier. Natürlich, Musik gibt es auch hier, aber nicht klirrende Blasmusik, sondern das swingend- jazzige Richard-Österreicher- Quartett. Natürlich, eine wohl dosierte Anzahl Jugendlicher umringt Fischer auch hier – wer will schon vor den Fernsehkameras nur mit ergrauten Parteigranden auftauchen?

Ansonsten aber vertraut die SPÖ beim Wahlschluss der Kraft der guten, alten Rede. Die Parteiprominenz ist nur zum Klatschen da, Fischer und nur Fischer spricht. Und betont noch einmal seine Wahlkampfschwerpunkte. Neutralität. Erfahrung. Soziale Gerechtigkeit. Verlässlichkeit. Objektivität. Um mit einem Scherzchen zu enden: "In der Schule ist ein Fünfer schlecht. Bei der Wahl werden wir einen Fünfer vorne im Ergebnis haben – und es wird der schönste Fünfer sein, den wir uns vorstellen können." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.4.2004)

Nach 1667 Zugkilometern und 30.000 geschüttelten Händen beging Heinz Fischer vor versammelter Parteiprominenz am Freitagabend seinen Wahlkampfabschluss. Und gab sich zuversichtlich, am Sonntag einen "Fünfer" zu bekommen – also die Mehrheit.

Von Eva Linsinger

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