Heißer Frühling in der BA-CA

29. April 2004, 16:40
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Hedwig Fuhrmann hat bei den BA-CA-Betriebsratswahlen haushoch gesiegt - Doch damit ist ein Verhandlungserfolg der Mitarbeiter nicht garantiert - Analyse von Renate Graber

Wien – Der Wahlerfolg, den die Sozialdemokratin Hedwig Fuhrmann bei der am Donnerstag geschlagenen Betriebsratswahl in der Bank- Austria Creditanstalt (BA-CA) eingefahren hat, hat selbst rote Personalvertreter der Bank überrascht: "Mit diesem Ergebnis hat niemand gerechnet, das ähnelt einem Erdrutschsieg."

Die Namensliste der BA-CA-Betriebsratschefin hat 76,6 Prozent der Stimmen bekommen; die Wahlbeteiligung lag bei fast 82 Prozent. Die schwarze ÖAAB-Liste sackte ein Fünftel der Stimmen (22,2 Prozent) ein. Das Bestechende: Mit ihrem Stimmverhalten haben die Angestellten er BA-CA, die 2002 fusioniert wurde, die bisher gültige Unterscheidung zwischen schwarzer CA und roter BA aufgehoben. Fuhrmann hat jede Menge Überläufer angezogen.

Mitarbeiter verunsichert

Zum Vergleich: Die ÖAAB-Liste hatte in der bürgerlichen CA 1999 noch rund 60 Prozent der Stimmen. Ein konservativer BA-CA-Banker erklärt das so: "Die Mitarbeiter sind so verunsichert, dass sie über die Parteigrenzen hinweg der ihre Stimme gaben, die signalisiert hat, dass sie möglichst wenig Veränderungen zulassen will."

Heißer Frühling

Tatsächlich steht der BA-CA wohl ein heißer Frühling und ein noch heißerer Sommer bevor. Demnächst beginnen die Verhandlungen zwischen Vorstand und neuem Betriebsrat, und dabei geht es um wirklich grobe Veränderungen. Der neue Personalvorstand Wolfgang Haller muss im Eilzugstempo das verwirklichen, was der alte Vorstandschef Karl Samstag um den Preis seines Amtes verweigert hat. Haller muss den Mitarbeiterstand von rund 11.400 Mitarbeitern auf 10.000 senken. Und, viel wichtiger: Er muss die auch von der BA-CA-Mutter HypoVereinsbank geforderte Modernisierung des Dienstrechts vorantreiben. Die BA-CA ressortiert – wie ihre Erzkonkurrentin Erste Bank – zum Sparkassensektor; im dazugehörigen Dienstrecht sind Pragmatisierungen, automatische Gehaltsvorrückungen (jährliche Sprünge und Biennien) und andere geldwerte Goodies festgeschrieben. Anachronismen zum Teil, mit denen die Arbeitgeber aufräumen wollen.

Mit Hedwig Fuhrmann bekommt BA-CA-‑ Manager Haller, der als "knallhart, zielstrebig und sehr direkt" beschrieben wird und die‑ Personalagenden wohl genau diesen Charak-‑ tereigenschaften verdankt, nicht gerade einen Frühstücksgegner als Visavis. Fuhrmann hat ihr Geschäft von der Pike auf gelernt, gilt als "gewiefte Politikerin". In den Augen ihrer Kritiker ist die 50-Jährige, die oft als "stärkste Frau in der Bank" apostrophiert wird, ein Symbol für gewerkschaftliche Versteinerung. Stichwort: "Festhalten an wohlerworbenen Rechten".

"Offen für Veränderungen, aber nicht zu jedem Preis"

Natürlich weiß Fuhrmann, die bereits einige Dienstrechtsreformen und auch die große Pensionsreform der BA-CA mitgetragen hat, dass der Status quo des Dienstrechts nicht mehr lange aufrechtzuerhalten sein wird. Die Rechnung ist einfach: modernes Dienstrecht oder Jobabbau. Fuhrmann selbst sagt so: "Ich bin offen für Veränderungen, aber nicht zu jedem Preis. Für gute Lösungen bin ich zu haben." Wie genau‑ die aussehen, wird sich bei den Verhandlungen weisen. Die werden richtungweisend sein – für den gesamten Sektor.

Die Positionen sind jedenfalls bezogen, Personalvorstand Haller zeigt bereits, dass er nicht lange herumfackeln wird. Mithilfe eines renommierten Arbeitsrechtlers tüftelt er viele seiner Schritte aus. Neue Mitarbeiter kommen gar nicht mehr in den Genuss des Sparkassen-KV; sie landen vorzugsweise in der BA-Finanz GmbH, bekommen also ordinäre Angestelltenverträge und werden an die Bank verleast.

Das Signal ist deutlich: Lenkt Fuhrmann und damit die Gewerkschafter nicht ein, wird die Belegschaft, die sie gewählt hat, langsam, aber ganz sicher "ausgehungert".(Renate Graber, Der Standard, Printausgabe, 24.04.2004)

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