Donauausbau: Fixe Fahrtiefen von Kukacka angekündigt

29. April 2004, 15:34
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Universität für Bodenkultur und Greenpeace und WWF warnen vor irreversibeln Folgen -mit Grafik

Wien (APA) - Die von Staatssekretär Kukacka angekündigte Entscheidung, die Donau zwischen Wien und Bratislava zu vertiefen, wird von Greenpeace scharf kritisiert. "Die Entscheidung, den letzten frei fließenden Donauabschnitt in Österreich zu vertiefen, wird eine dramatische Präzedenzwirkung für die anderen Donau-Anrainerstaaten haben," so Greenpeace-Sprecher Westerhof

Auswirkungen auf Naturschutzgebiete

"1.000 km Flusslandschaft, mit drei Nationalparks, 10 Ramsar-Schutzgebiete und das Weltkulturerbe Wachau sind von dieser Entscheidung gefährdet" erklärt Westerhof.

"Es ist ein gefährliches Signal an die anderen Donauländer, die Donau zwischen Wien und Bratislava zu vertiefen, denn hierdurch sind auch sie gezwungen, den Fluss zu kanalisieren. Staatsekretär Kukacka soll sich seiner Verantwortung bewusst werden und realisieren: Wir haben es hier mit einem Fluss, und nicht nur mit einer Wasserstraße zu tun", ergänzte Westerhof.

Vertiefung auf 2,60Meter sind vorgesehen

Das Projekt wurde am Freitag bei einer Pressekonferenz von Staatssekretär Helmut Kukacka (V) vorgestellt. Die Donau unterhalb von Wien soll stabilisiert werden. Jahr für Jahr schleift sich das Gewässer um zwei bis 3,5 Zentimeter ins Flussbett ein. Schifffahrtsunternehmen klagen zudem über zu wenig Sicherheit bei der zur Verfügung stehenden Fahrtiefe. Zudem sehen die Pläne eine fixe Mindestfahrtiefe von 2,60 Metern vor. Das Projekt wurde am Freitag bei einer Pressekonferenz von Staatssekretär Helmut Kukacka (V) vorgestellt.

Universität für Bodenkultur sieht ökologische Gefahr

Univ.-Prof. Helmut Habersack von der Universität für Bodenkultur in Wien sah in der fortschreitenden Eintiefung eine ökologische Gefahr. Im Laufe der Zeit könnte sich der Flusslauf um 70 Zentimeter bis einen Meter absenken. Dieser Prozess sei irreversibel. Die Konsequenz daraus: Auch der Grundwasserspiegel in den Donauauen könnte dadurch absinken, sagte er. Zudem seien die Sicherheitsmaßnahmen gegen Hochwasser am Ufer gefährdet.

Immer weniger Geröll begünstigt Vertiefung

Habersack führte aus, dass sich in dem Gewässer immer weniger Geröll befinde. Dadurch wäre die Sohle immer mehr der Erosion ausgesetzt, was den Vertiefungsprozess begünstige.

Vorteile für die Schifffahrt

Mit der granulometrischen Sohlverbesserung könnte dem entgegen gewirkt werden, hoffen die Experten des Lenkungsausschusses, die das Projekt ausgearbeitet haben. Dabei wird an den bereits vertieften Stellen, den "Kolken", grober Kies aufgebracht. Damit würden auch die Schiffsschrauben geschützt, da das schwerere Material nicht so leicht von den darüber fahrenden Propellern angesaugt werden kann.

Ein weiterer Vorteil für die Schifffahrt wäre die in den Plänen vorgesehene Vertiefung des Fahrwassers auf 2,8 Meter auf 100 Metern Breite. Auf 120 Metern sollen künftig mindestens 2,6 Meter vorherrschen.

Donau schwer berechenbares Fließwasser

Reinhard Vorderwinkler von der Obersten Schifffahrtsbehörde wies den vom WWF ins Treffen geführten Vergleich mit dem Rhein zurück. Die Umweltorganisation hatte kritisiert, dass die Fahrwassertiefe am Rhein nur 2,10 Meter betrage und ausreiche. Bei der Donauvertiefung würden zudem ökologische Gefahren drohen. Vorderwinkler konterte mit dem Argument, dass auf dem Rhein das Wasser großteils gestaut und daher berechenbarer sei, während auf der Donau schwer berechenbares Fließwasser vorherrsche. Dies und die einzuberechnenden längeren Reisezeiten auf der Donau würden dazu führen, dass die Auslastung der Frachtschiffe auf dem Strom nur bei 60 Prozent liege, beim Rhein jedoch bei 90 Prozent.

Verkehrsstaatssekretär Kukacka sprach wie auch andere Mitglieder des Lenkungsausschusses von einer "win-win"-Situation für Ökologie und Schifffahrt. Die Umweltverträglichkeitserklärung solle bis Mitte nächsten Jahres, die daran anschließende Umweltverträglichkeitsprüfung bis Sommer 2006 fertig sein. Fertig gestellt sollen die Maßnahmen bis 2010 sein.(APA)

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