"Das Klangforum ist auf einem guten Weg"

29. April 2004, 15:37
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Proberaum gefunden, Stadt Wien und Bund beteiligen sich an den Kosten für Umbau und Umzug

Wien - Feierstimmung beim Klangforum Wien: Eine "ganz großen Etappensieg" (so Intendant Sven Hartberger) verbuchte das renommierte Ensemble rechtzeitig vor der kommenden Jubiläumssaison zum 20-jährigen Bestehen. Endlich wurde ein Proberaum für das wichtigste österreichische Ensemble zeitgenössischer Musik gefunden, Stadt Wien (300.000 Euro) und Bund (200.000 Euro) beteiligen sich an den Kosten für Umbau und Umzug (insgesamt 650.000 Euro). Der anfänglich "sinistre Ton meiner Pressekonferenzen hat sich über die Jahre aufgehellt. Das Klangforum ist auf einem guten Weg", freute sich Hartberger bei einer Pressekonferenz in den neuen Räumen.

Höher und weiter: Von einem 120 Quadratmeter kleinen und 3,30 Meter niedrigen, über die Jahre immer wieder als unzumutbar und gesundheitsschädigend bezeichneten Proberaum in Wien-Neubau ziehen die Musiker nach Wien-Margareten, wo in einer ehemaligen Maschinenfabrik auf insgesamt 670 Quadratmetern Nutzfläche ein 200 Quadratmeter großer und zwischen 5 und 7,5 Metern hoher Proberaum zur Verfügung steht. Dort soll man nach dem akustischen Feinschliff auch in Studioqualität aufnehmen können, ein kleiner Proberaum, Büro- und Lagerräumlichkeiten und ein Lokal ergänzen den neuen, vom Architektenteam lichtblau.wagner adaptierten Standort - für Hartberger "ein ideales Objekt".

Es wird "durchaus" zusammengearbeitet

Eine "lange, teilweise mühevolle Herbergsuche" ist zu Ende gegangen, betonte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S). Kunststaatssekretär Franz Morak (V) meinte angesichts des noch eher rohen Zustands des restlichen Gebäude-Innenlebens: "Eine Baustelle heißt immer Veränderung, etwas Neues".

Zum in letzter Zeit nicht übermäßig häufig vorkommenden Ziehen am selben Strang von Bund und Wien meinte Mailath-Pokorny, dass "wir unsere Konflikte offen austragen", aber dennoch "in der Sache durchaus zusammenarbeiten". Beide Politiker betonten die Impulse für den ganzen Bezirk, die vom Klangforum ausgehen würden.

Fahrplan

Der Umzug des Klangforums ist für Ende Mai vorgesehen, schon das Anton Webern-Fest im Rahmen der Wiener Festwochen (5. und 6. Juni) wird zum Teil am neuen Standort vorbereitet werden können. Am 3. und 4. September wird es ein 27-stündiges Eröffnungsfest geben, bei dem "die ganze Wahrheit über das Klangforum Wien" verkündet werden wird, versprach Hartberger.

Die musikalische Wahrheit gibt es ab 19. 10., wo unter dem Motto "Aufbruch" mit Friedrich Cerha am Pult der Konzerthaus-Zyklus der Jubiläumssaison "Feste Feiern" eingeläutet wird. 20 Jahre Klangforum gibt es ebenso zu feiern wie 50 Jahre Beat Furrer (Festkonzert am 7. 12.) und den ersten "IMPULS"-Kompositionswettbewerb im Februar 2005. Dieser soll in Zukunft biennal in Graz stattfinden, schon für die erste Ausgabe gab es 260 Einreichungen aus 52 Ländern. Drei der Werke werden am 24. 2. 2005 unter dem Motto "Morgen" präsentiert.

In der Jubiläumssaison stehen ausschließlich Komponisten am Pult, die dem Ensemble in besonderer Weise verbunden sind, neben Cerha noch u. a. Emil Pomarico, Hans Zender, Johannes Kalitzke und Peter Eötvös. Erst- und Uraufführungen gibt es u. a. von Georg Friedrich Haas, Pierluigi Billone, Bryn Harrison, Hannes Seidl und Sebastian Stier. Mit Werken sind u. a. Pierre Boulez, Luigi Nono und Karlheinz Stockhausen dabei.

Sponsoren

Den Rest der Übersiedelungskosten in der Höhe von 150.000 Euro wird durch internationale Stiftungen und Sponsoren bestritten. Einer der Klangforum-Geldgeber hatte im Vorjahr zwar einen Maecenas-Anerkennungspreis für seine Sponsorleistung erhalten, aber noch keine Urkunde. Diese überreichte Hartberger heute an einen Vertreter des Bank- und Versicherungsunternehmen Julius Bär - die "nackte" Urkunde mit einem Passepartout verschönert. "Damit niemand glaubt, wir gehen sorglos mit öffentlichen Geldern um: Das Papier für den Rahmen hat ein befreundeter Maler kostenlos zur Verfügung gestellt", schmunzelte Hartberger. "Heute gibt es nur gute Nachrichten". (APA)

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