Totentanz in Wien

27. April 2004, 11:32
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Wien - Die Europäische Totentanz-Vereinigung e.V. begeht von 30. April bis 2. Mai in Wien ihre zehnte Jahrestagung. Über 100 Musik-, Tanz-, Literatur-, Film- und Theaterwissenschafter, Ethnologen, Medizin- und Kunsthistoriker präsentieren an der Akademie der bildenden Künste ihre Forschungsergebnisse und diskutieren über die vielfältigen Facetten der Danses macabres vom frühen Mittelalter bis heute.

Im Totentanz wird das Paradoxon Tanz als Metapher für höchste Lebensfreude und Lebendigkeit auch angesichts des unabwendbaren Endes dargestellt. Totentänze finden sich nicht nur in mittelalterlichen Gemäldezyklen auf Kirchen- und Friedhofsmauern oder in frühneuzeitlichen Drucken, sondern in vielfältiger Gestalt, sei es in der Literatur, darstellenden Kunst oder Musik, bis in die Gegenwart.

Ursprünge und Weiterführung

Die Quellen, aus denen sich dieses Genre entwickelt hat, liegen im literarischen Bereich. Seit dem 13. Jahrhundert sind so genannte Vado-mori-Gedichte bekannt, in denen die Repräsentanten einzelner Stände beklagen, dass sie sterben müssen. Im 15. Jahrhundert trat der Totentanz von Frankreich aus seinen Siegeszug an und verbreitete sich in kurzer Zeit in ganz Europa.

Bis heute haben sich einige der bekanntesten Künstler mit dem Totentanz auseinander gesetzt, unter ihnen Edvard Munch, Charles Baudelaire, Walt Disney, Gustave Flaubert, Alfred Hrdlicka, die Rolling Stones, Bertolt Brecht, Thomas Mann, Michael Ende und Jean Tinguely.

Die Tagung

Bei der 10. Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung mit dem Schwerpunkt Musik und Tanz wird ein Querschnitt der aktuellsten Arbeiten zu diesem Thema vorgestellt. In der Galerie Peithner-Lichtenfels wird parallel dazu eine Ausstellung zum Thema zu sehen sein, zu deren Eröffnung die Wiener Kunsthistorikerin Brigitte Borchardt-Birbaumer sprechen wird. Außerdem findet am Abend des 1. Mai im "Cinemagic" eine Live-Performance über "Tod und Musik (von Schubert über alle Sträuße bis Schönberg)" u.a. mit Otto Brusatti und den Neuen Wiener Concertschrammeln statt. (APA)

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    foto: der standard
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