Schneller Sieg über den Feind aus Rotland

26. April 2004, 17:19
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Erster öffentlicher Auftritt des Jagdkommandos soll neue Soldaten anlocken

Einige rote Patronenhülsen liegen auf dem Steinfußboden, aus dem großen leeren Zimmer am Ende des Gangs dringt noch etwas Rauch. Nur elf Minuten hat es an diesem Donnerstagvormittag gedauert, bis das Unternehmen "Lager 5" erfolgreich abgeschlossen war. Knapp 30 Mann des Jagdkommandos haben die vier "Rotlandkräfte" festgenommen, die sich in dem Soldatenheim der Leobener Kaserne versteckt hielten.

Erstmals präsentierte sich die Sondereinsatzeinheit des Bundesheeres im Rahmen des derzeit laufenden Großmanövers "Schutz 04" der Öffentlichkeit. Mit allen Finessen: Fallschirmspringer, die auf einer nur vier Meter breiten Zone eines Hochhausdaches landen; Teams, die sich aus dem Hubschrauber abseilen, um ihr Ziel zu erreichen; Sprengladungen, um ins Haus einzudringen.

Ganz realistisch ist die Übung freilich nicht abgelaufen, in Wirklichkeit würde der Einsatz in der Dunkelheit stattfinden, gesteht Siegfried Bognar, Kommandant des Jagdkommandos. Es wären auch mehr Männer nötig, wäre das gestürmte Gebäude ein normales Wohnhaus mit darin lebenden Zivilisten.

Zufrieden mit dem Ergebnis des Einsatzes zeigt man sich beim Heer trotzdem, nachdem die letzten Transporthelikopter mit den schwarz uniformierten Soldaten an Bord abgeflogen sind. Bereitwillig stehen Bognar und sein Vorgesetzter Günter Dorner den Medien Rede und Antwort.

Die neue Offenheit der sonst eher im Verborgenen operierenden Truppe hat einen Grund: Man sorgt sich um den Nachwuchs. "Die Spezialeinheiten werden in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen", prophezeit Dorner. "Der Bedarf an Soldaten steigt aber bereits seit fünf Jahren ständig, nach oben hin ist er eigentlich offen."

Auslandseinsätze, wie erst jüngst im Kosovo, bedingen aber Änderungen bei der Ausbildung. So werden die heimischen Kämpfer mittlerweile auch in befreundeten Staaten in Dschungel- und Wüstenkrieg geschult. Ein neues Problem bereitet ebenfalls Kopfzerbrechen: Die Fremdsprachenkenntnisse müssen verbessert werden. "Mit Englisch und Italienisch kommt man beispielsweise in Afghanistan nicht weit", meint Dorner.

Ziel der Ausbildung sei es, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, bestätigt Jagdkommando-Chef Bognar. "Wenn der politische Wille für einen Einsatz da ist, müssen wir unter allen Bedingungen unsere Leistungen bringen." (Michael Möseneder/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.4.2004)

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    Günter Dorner: "Der Bedarf an Soldaten steigt aber bereits seit fünf Jahren ständig, nach oben hin ist er eigentlich offen."

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