Nachtigallen "übersingen" den Großstadtlärm

24. April 2004, 20:30
1 Posting

Einen zu hohen Lärmpegel können die Vögel aber nicht kompensieren

Berlin - Der Großstadtlärm treibt Nachtigallen zu lauterem Gesang an. Das hat der Verhaltensbiologe Henrik Brumm von der Freien Universität Berlin durch eine Analyse des morgendlichen Verhaltens des "Stars unter den Singvögeln" herausgefunden, wie die Hochschule am Donnerstag mitteilte. Männliche Nachtigallen trällerten umso lauter, je intensiver der Umweltlärm in ihrem Territorium sei, um sich in der Geräuschkulisse überhaupt noch Gehör zu verschaffen.

In der Nähe von stark befahrenen Straßen oder Eisenbahnstrecken sangen Nachtigallen um bis zu 14 Dezibel lauter als in ruhigen Ecken, wies Brumm nach. Damit verfünffachte der kleine Singvogel seinen normalen Schalldruck. Die männliche Nachtigall fühle sich dazu gezwungen, um im Großstadtlärm mit seinem Gesang das Weibchen anzulocken oder männliche Konkurrenten zu vertreiben. Dem Gesangsvermögen seien allerdings Grenzen gesetzt. Einen zu hohen Lärmpegel könne die Nachtigall nicht mehr kompensieren, schreibt Brumm in der Mai-Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of Animal Ecology" (Bd. 73, S. 434).

Ähnliches Verhalten bei Meisen

Ein ähnliches Verhalten hatten niederländische Forscher bei Kohlmeisen beobachtet: Die Meisen singen in Städten schriller als ihre Artgenossen aus ländlichen Regionen. Da Stadtlärm hauptsächlich aus tiefen Tönen bestehe, seien die höheren Töne für die Weibchen besser zu hören und ein Balzerfolg damit wahrscheinlicher, berichteten Hans Slabbekoorn und Margriet Peet von der Universität Leiden im Fachjournal "Nature" (Bd. 424, S. 267). (APA/dpa)

Link
Nature
Share if you care.