"Endlich Leben": Die Wiener Festwochen präsentierten ihr Programm

23. April 2004, 21:11
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Vorverkaufskassen öffnen am Samstag

Wien - 53 Produktionen (darunter elf Uraufführungen und Auftragswerke) in 223 Vorstellungen, KünstlerInnen aus 19 Ländern und insgesamt 79.352 aufgelegte Karten - das ist die gegenüber 2003 deutlich und auch gegenüber der ersten Programmankündigung noch leicht gesteigerte Statistik, mit der die Wiener Festwochen in ihre Auflage 2004 gehen (7.5.-20.6.). Kurz vor Beginn des Kartenvorverkaufs an der Kasse (24.4.) wurde am Donnerstag auf einer Pressekonferenz das dichte Programm noch einmal detailliert präsentiert. Zusammen mit den Ausstellungen, den Konzerten und der offiziellen Eröffnung, die am 7. Mai unter dem Motto "Endlich Leben" auf dem Rathausplatz stattfindet, werden heuer mehr als 200.000 Besucher erwartet.

"Cruel and Tender"

Spezielle Programm-Tipps des Intendanten Luc Bondy galten dem Projekt des flämischen Regisseurs Guy Cassiers zu Prousts Mammut-Roman "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" sowie der Produktion "La Veillee des Abysses" des Chaplin-Enkels James Thiérrée: "Für mich ist das absolut eine Neuentdeckung, es ist Zirkus, es ist Tanz, es ist überraschend und unterhaltsam und vollkommen daneben im besten Sinn des Wortes. Ich möchte mit diesem Mann weiterarbeiten", sagte Bondy, der auch auf seine eigene Inszenierung von Martin Crimps "Cruel and Tender", einer Transponierung der "Frauen von Trachis" des Sophokles' in die Gegenwart, hinwies. Die Produktion wird derzeit in London erarbeitet und dort vor der Wien-Premiere in Previews gezeigt.

Hauptdarstellerin Kerry Foy ("Intimacy") war für die Pressekonferenz eigens nach Wien gekommen. "Die Aufführung ist auf Englisch, aber die Sprache von Crimp ist einfach, wie es nur geht", versuchte Bondy eventuelle Publikums-Ängste vor Sprachbarrieren abzubauen.

Musik mit Webern-Marathon

Hans Landesmann meinte, ihm sei für sein letztes Jahr als Musikverantwortlicher "heuer erstmals gelungen, ein Programm zusammenzustellen, das ausschließlich aus Musik des 20. Jahrhunderts bzw. aus zeitgenössischer Musik besteht. Ich habe mir ehrlich gesagt ein Abschiedsgeschenk gemacht und jene Komponisten eingebaut, die mir besonders am Herzen liegen. Es ist ein ganz subjektives und - salopp gesprochen - ziemlich haariges Programm."

Besonders wies er auf den Webern-Marathon hin, bei dem es 60 Werke in 13 Konzerten geben wird: "Das klingt massiv, ist aber nicht so arg." Auch das im Vorjahr ein einziges Mal in Aix gezeigte musikalische Einakter-Triptychon "El Retablo de Maese Pedro/Renard/Pierrot lunaire" wurde besonders angepriesen. Enttäuscht zeigte sich Bondy allerdings über Landesmanns Ankündigung, der mitspielende Affe werde voraussichtlich nicht nach Wien kommen: "Der Affe kommt nicht? Das muss sein! Das ist wichtig!"

"International wie noch nie"

Bezüglich der nach der Streichung der Bundessubventionen vom Bund angebotenen Möglichkeit von Projekteinreichungen meinte Bondy, man habe zwei Einreichungen gemacht: Peter Sellars "Children of Heracles" wären nicht angenommen, für den Bürgerkriegs-Schwerpunkt wären Details zum Regiekonzept nachgefragt worden. "Das heißt, die Sache wird verzögert. Wenn wir es gut erklären, kriegen wir vielleicht Geld."

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) freute sich darüber, dass das "Jahr eins der Wiener Festwochen als reine Wiener Angelegenheit" ein Programm habe, das "so international wie noch nie" sei. "Ich freue mich besonders über so viele fremdsprachige Produktionen, das sollte gerade in Zeiten der EU-Erweiterung für eine Stadt wie Wien selbstverständlich sein!" Geschäftsführer Wolfgang Wais schloss mit dem für die Zuschauer wohl wichtigsten Satz: "Für alle Vorstellungen gibt es noch Karten!" (APA)

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