Irak: Chaldäischer Patriarch vermittelt für italienische Geiseln

22. April 2004, 17:28
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Berlusconi wegen Verzögerungen in den Verhandlungen mit Entführern unter Druck

Rom - In die Bemühungen zur Befreiung der italienischen Geiseln, die sich seit fast zwei Wochen in den Händen irakischer Aufständischer befinden, hat sich nun auch die chaldäische Kirche im Irak eingeschaltet. Nach Angaben von Radio Vatikan vermittle der chaldäische Patriarch in Bagdad, Emmanuel Delly, persönlich, um eine Freilassung der drei Italienier zu erreichen. "Die Verhandlungen schreiten langsam voran. Wir können leider noch nichts über den Stand der Dinge sagen", berichtete der irakische Bischof Shlemen Warduni.

Nach Angaben des irakischen Scheichs Abdul Salam al Kubeissi, der sich für die Befreiung der Italiener engagiert, sind die drei Geiseln noch am Leben. Die Vermittlungen seien jedoch durch den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi erschwert, der bei jeder Gelegenheit seine starke Freundschaft zu den USA beteuere, bemängelte al Kubeissi im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica".

Das Schicksal der italienischen Geiseln im Irak ist eine schwere Belastung für die Regierung Berlusconi, die sich pausenlos für die Rettung der drei Bodyguards Umberto Cupertino, Salvatore Stefio und Maurizio Agliana engagiert. Die Freilassung der drei verschleppten Zivilisten verzögere sich, musste Berlusconi zugeben, nachdem er in den vergangenen Tagen öfters von einem bevorstehenden Ende der Geiselnahme gesprochen hatte.

Der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi zeigte sich zuversichtlich, dass die Italiener bald nach Hause zurückkehren können. "Die Regierung tut alles Mögliche, damit dieses lange Warten endlich zu einem positiven Ende führt. Wir sind optimistisch", sagte Ciampi, der täglich mit den Familien der Geiseln in Verbindung ist.

Inzwischen wächst der Druck auf die Regierung Berlusconi für einen Abzug der rund 3.000 Soldaten, die im Südirak stationiert sind. In Rom wurde diese Woche ein Komitee gegründet, das auf nationaler Ebene Unterschriften für das Ende der italienischen Mission im Irak sammeln will. Berlusconi hatte am Mittwoch gesagt, dass die italienischen Truppen auch nach der geplanten Machtübergabe an die Iraker Ende Juni im Irak bleiben werden. "Wir müssen auch nach dem 30. Juni im Irak bleiben", sagte Berlusconi. (APA)

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