"Am 1. Mai haben die offen, wir nicht"

11. Februar 2005, 15:32
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Shoppingcenter und Geschäfte in der Nähe touristischer Attraktionen gehören zu den Gewinnern der EU-Osterweiterung - Auch Öffnungszeiten spielen dabei eine Rolle

Wien - "Mit der Osterweiterung wird es in der österreichischen Handelslandschaft so weitergehen wie bisher: Die guten Standorte werden weiter gewinnen, die schlechten verlieren", sagt Wolfgang Richter, Chef des Wiener Handelsberatungsunternehmens Regioplan im STANDARD-Gespräch. Trotzdem werde es "auch gravierende Veränderungen geben".

Richter zählt deren vier auf: Erstens werde durch den Wegfall der Mehrwertsteuerrückvergütung für Bürger aus den Beitrittsländern Auswirkung auf den Handel mit teuren Luxusgütern, Schmuck und ähnlichem leiden.

Die kleine, aber sehr wohlhabende Oberschicht aus Osteuropa, die den Mehrwertsteuervorteil nützen wollte, hat in den vergangenen Jahren hier für einige Umsätze in Österreich gesorgt. Für die "new biznesmeni" aus Russland bleibt der Vorteil freilich erhalten.

Kleiner Grenzverkehr

Zweitens erwartet Richter ein "stärkere Verflechtung des kleinen Grenzverkehrs, also maximal 15 Kilometer in beide Richtungen, davon können beide Seiten profitieren." Dadurch seien aber noch keine Kaufkraftbewegungen zu erwarten.

Drittens würden die großen Shoppingcenter gewinnen - auf österreichischer Seite wie auch in den Beitrittsländern. "Die Öffnungszeiten spielen nur in manchen Einkaufssituationen eine Rolle, was aber immer zählt, sind Auswahl, Einkaufsatmosphäre und Parkplätze."

Viertens werden, so Richter, jene Standorte Vorteile aus dem gemeinsamen Markt ziehen, die sich in der Nähe touristischer Attraktionen befinden. Oder selbst schon touristische Ziele sind - wie beispielsweise die "Sonderformen Factory Outlet Center".

Historisch gewachsene Strukturen

Österreich und auch Deutschland hätten im Wettbewerb um den shoppenden Gast den Vorteil, dass die Innenstädte - nicht nur der Hauptstädte, auch der Provinzmetropolen - historisch gewachsene Einkaufsstrukturen bieten könnten.

Nicht zuletzt deswegen fordert die Österreichische Hoteliersvereinigung immer wieder gebetsmühlenartig die Möglichkeit zur Sonntagsöffnung - zumindest an ausgewählten Sonntagen im Jahr.

In der Kombination mit dem Fremdenverkehr seien die um um vieles liberaleren Öffnungszeiten bei unseren Nachbarn wieder ein Vorteil. Richter: "Wenn man gefragt wird, wer am 1. Mai profitieren wird, dann könnte man überspitzt sagen: Osteuropa. Weil genau am 1. Mai haben die offen und wir nicht." (DER STANDARD Printausgabe, 22.04.2004, Leo Szemeliker)

Service

RegioPlan veranstaltet mit dem STANDARD am 6. Mai 2004 das 6. Österreichische Einkaufszentrensymposion. Motto: "The next Challenge - Konzepte ohne Grenzen". Die EU-Osterweiterung ist dabei Schwerpunktthema. Info und Anmeldung unter (0043/1) 586 04 53

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RegioPlan
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