Was gespielt wird: Die neue alte Josefstädter Hausbesetzung

27. April 2004, 11:37
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Helmuth Lohner, künstlerischer Berater des Theaters, gab den Spielplan 2004/05 bekannt

Wien - Zu den Neuzugängen seines neuen alten Hauses zählt Helmuth Lohner schmunzelnd auch Fritz Muliar. Der dem Theater in der Josefstadt nicht ganz fremde Schauspieler wird im November in den Kammerspielen auch inszenieren (Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde von Joao Bethencourt). So schnell kann eine Nicht-Ära also vergehen: Helmuth Lohner stellte in der Funktion eines ehrenamtlichen (!) künstlerischen Beraters die Vorhaben der kommenden Saison vor. "Es hat sich nichts geändert!", versichert der sich immerhin der Geschäftsführung entledigt habende Schauspieler. Das Programm weist "ganz die alte Hausbesetzung" auf.

Aus der äußerst kurzen und dabei hoch produktiven Intendanz Hans Gratzers übernimmt man den Eingebildeten Kranken sowie das Automatenbüfett und platziert die "kurz auf Eis gelegten" (Lohner) alten Cashcows Othello darf nicht platzen und die Gigerln von Wien.

Eröffnet wird die Saison am 16. September mit einer bereits geplanten Musiktheaterpremiere Hans Gratzers (und Hanspeter Horners), der Dreigroschenoper. Regiehoffnung Anna Maria Krassnigg liefert mit Schnitzlers Fräulein Else einen der beiden österreichischen Autoren; mit Nestroys Kampl (Lohner in der Titelrolle) gibt Herbert Föttinger alsdann sein Regiedebüt.

In Weiterführung seiner Konzentration auf europäisches Theater zeigt Lohner Wedekinds Der Liebestrank (Regie: M. Gampe), Kleists Amphitryon (Regie: J. Kica) sowie Die Glasmenagerie in der Inszenierung Wolf-Dietrich Sprengers. In den Kammerspielen: Arsen und alte Spitzen von Joseph Kesselring, Moral von Ludwig Thoma, Labiches Hausfreund sowie Ron Clarks Eine Bank in der Sonne.

"Ich halte es für nicht erstrebenswert, die Josefstadt zum Gral österreichischen Theaters zu machen", rekurriert der Nicht-Direktor (mit Unterschriftsvollmacht) auf den diesbezüglichen Ansatz seines Vorgängers. Obwohl ein gut Teil der Aufführungen derzeit ausverkauft sind, sei der anfängliche Besuchereinbruch nicht mehr aufzuholen, sagt der kaufmännische Direktor Alexander Götz (Mindereinnahmen: 1,5 Mio Euro).

Lohner möchte mit Ende Mai 2006 das Haus wieder verlassen "ohne rot zu werden". Dann sei hoffentlich das Geld für dringende Renovierungen da. Manche Stühle sind nämlich so kaputt, dass der Damen Kleider hängen bleiben. (afze / DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2004)

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