Fed-Cup: Das Warten auf die Großartigkeit

23. April 2004, 12:52
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Captain Alfred Tesar über sich und das Tennisspiel der Österreicherinnen gegen die Slowakinnen

St. Pölten - Alfred Tesar (56) ist weder Marktschreier noch Schönredner, kein Baumeister von Luftschlössern. Er ist nicht darauf aus, großartige Geschichten zu erzählen. Nie und nimmer würde er behaupten: "Wir gewinnen." Er sagt lieber: "Wir können gewinnen. Wir müssen uns vor der Slowakei nicht fürchten. Das gilt aber umgekehrt auch."

Tesar ist seit zwei Jahren Österreichs Fed-Cup-Captain. Nicht weil er sich aufgedrängt hat, die Tennisdamen haben ihn angefleht. "Ich konnte und wollte nicht ablehnen." Vorgänger Filip Krajcik war einem Krebsleiden erlegen.

Am Samstag (13) und am Sonntag (12) steht in der Landessportschule von St. Pölten das Weltgruppenspiel an, vier Wochen später soll dort Andre Agassi geigen, er hat für den Raiffeisen-GP jedenfalls fix zugesagt. Tesar: "Da werden wohl mehr Leute erscheinen." Wenigstens fürchtet er leere Tribünen nicht, er rechnet damit. "Obwohl es viel Werbung gegeben hat, werden sich eher Insider treffen." Zwei Zuschauer sind namentlich bekannt, Landeshauptmann Erwin Pröll und der scheidende slowakische Staatspräsident Rudolf Schuster.

Schett gesetzt

Tesar, im gewöhnlichen Leben Verbandstrainer in der Südstadt, kann auf das stärkste Team zurückgreifen. Barbara Schett ("ich bin gut in Form und vorsichtig optimistisch") ist im Einzel wie im Doppel (mit Patricia Wartusch) gesetzt, die zweite Solistin wird Barbara Schwartz oder Sybille Bammer sein. Die Slowakei bietet Lubomira Kurhajcova (WTA 65), Martina Sucha (70), Ludmila Cervanova (72) und Janette Husarova (161) an, die sind eher keine Straßenfeger. Tesar: "Aber sie sind hungrig, wollen ihren Lebensstandard verbessern. Spielerinnen aus dem ehemaligen Ostblock haben oft ausgeprägten Ehrgeiz und eine tolle Einstellung."

"Keine rosige Zukunft"

Was dafür das österreichische Damentennis hat, ist laut Tesar "keine rosige Zukunft. Sieht man es realistisch, haben wir ein recht altes Team, es kommt fast nichts nach. Bei Schwartz herrscht wegen ihrer hartnäckigen Handgelenksverletzungen ständige Ungewissheit." Abgesehen davon sei der Fed Cup im Vergleich zum Bruder Daviscup "ein absolutes Stiefkind. Dauernd wird der Modus geändert, die besten Spielerinnen der großen Nationen fehlen. Wenn sie nicht daran interessiert sind, wie soll man diesen Bewerb dann verkaufen?" Den Unterschied könne man ja auch hierzulande feststellen. "Im Davisccup sitzt jetzt der Thomas Muster auf der Bank. Ich bin nur der Alfred Tesar. Wie soll man da mithalten?"

Ursprünglich, in den Achtzigern, hat Tesar mit Burschen gearbeitet. "Auf einmal ist die Schett in der Südstadt übrig geblieben. Und ich wechselte. Vielleicht komme ich durch meine ruhige Art bei den Damen besser an." Seine Trainingsphilosophie beschreibt er so: "Ich bin für eine vielseitige Ausbildung, das gibt mehrere taktische Möglichkeiten, ich liebe Tennis mit Variationen. Natürlich braucht man auch Punktschläge, aber ich bin kein großer Fan der Williams-Schwestern." Ein Captain müsse einfühlsam sein, dürfe die Gewohnheiten und Abläufe der Spielerinnen nicht ändern. "Man soll auf ihre Bedürfnisse eingehen."

Sollte Österreich die Slowakei schlagen und sich die USA gegen Slowenien durchsetzen, kommt es am 10. und 11. Juli in St. Pölten zum Viertelfinaltreffen der Siegreichen. Tesar: "Das könnte eine großartige Geschichte sein." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 22. April 2004, Christian Hackl)

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