Kleiner Hofstaat in der Hofburg

23. April 2004, 18:13
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Mehr als 70 Menschen arbeiten für den Bundespräsidenten

Wien – Wer immer am kommenden Sonntag die Bundespräsidentenwahlen gewinnt, wird nicht nur Herr der Hofburg, sondern auch Chef von 72 dort angestellten Bediensteten. So viele Personen arbeiten nämlich laut Bundesvoranschlag 2004 in der Dienststelle "Präsidentschaftskanzlei". Das veranschlagtes Gesamtbudget beträgt 4,87 Millionen Euro, das Personal macht dabei rund drei Millionen Euro aus.

Neben nahe liegenden Aufgaben wie einer eigenen Rechts- und Sozialabteilung (fünf Beamte), einer "Ehrenzeichenkanzlei" (drei Stellen), einer Bürgerkontaktstelle (zwei Posten) und einem militärischen Adjutanten gibt es am Arbeitsplatz Hofburg auch vier Chauffeure, zwei Gärtner und eine "Zugehfrau" vulgo Haushaltshilfe in der Dienstvilla auf der Hohen Warte. Außerdem verfügt der Präsident über einen eigenen Fotografen, einen Kamera- und Tonmann – alle drei von der Heeresbildstelle zur Verfügung gestellt – inklusive Teleprompter zum flüssigen Ablesen von Grußbotschaften. Dazu kommen Sekretäre, Amtswarte, Raumpfleger, Schreiber (in der Hofburg gibt es eine eigene Schreibstelle), Archivare und sogar Elektriker. 59 der Hofburgmitarbeiter sind Beamte, zehn Vertragsbedienstete, drei Arbeiter.

Als einziger hoher Beamter in Österreich darf sich der Kabinettschef des Präsidenten "Kabinettsdirektor" nennen. Er sowie die engsten Mitarbeiter des Präsidenten, also Pressesprecher, Kabinettsvizedirektor und sein "Sonderberater" für internationale Angelegenheiten, werden vom Präsidenten im Regelfall mit ins Amt gebracht. Thomas Klestil vertraute hier vor allem auf Diplomaten, die er aus seiner Zeit im Außenamt kannte. Sie werden an die Hofburg "ausgeliehen", ihr Gehalt wird vom Heimministerium bezahlt, Überstunden muss aber die Präsidentschaftskanzlei abgelten. Rund 275.000 Euro sind im Hofburgbudget heuer für solche "Mehrleistungen" veranschlagt.

Laut Präsidentschaftskanzlei gibt es momentan sogar offene Stellen: Die Leitung der Abteilung Sozialangelegenheiten und Gnadensachen sind nur interimistisch besetzt – Bewerbung ab Montag nächste Woche. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Printausgabe, 22.4.2004)

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