Autofahrerklubs laufen Sturm gegen erneute Spritpreiserhöhung

29. April 2004, 19:43
posten

ÖAMTC: "Falsches Zeichen" nach Benzinpreisgipfel - ARBÖ: Rohölpreise wegen schwachem Dollar in Wirklichkeit 20 Prozent billiger

Wien - Massive Kritik hagelte es am Mittwoch für die erneute Erhöhung der Diesel- und Benzinpreise seitens der heimischen Autofahrerklubs. Die OMV hatte gestern Abend mitgeteilt, die Richtpreise um einen Cent je Liter angehoben zu haben. Benzin ist mittlerweile so teuer wie seit drei Jahren nicht mehr.

Der ÖAMTC sprach heute von einem "falschen Zeichen" nach dem jüngsten Spritpreisgipfel (Anfang der Karwoche), er fordert eine sofortige Rücknahme der gestrigen Preiserhöhung. In Wirklichkeit sei eine Preissenkung auf EU-Niveau längst überfällig, hieß es in einer Pressemitteilung des ÖAMTC. Konkret verlangt der Autofahrerklub eine Preisreduktion von 2,5 Cent auf alle Kraftstoffsorten.

ARBÖ: Nicht gerechtfertigt

Auch für den ARBÖ ist die neuerliche Preiserhöhung nicht gerechtfertigt. Erhöht worden seien nicht nur die Höchstpreise, sondern an vielen Tankstellen auch die Niedrigstpreise um 1 bis 2 Cent. Seit Jahresbeginn 2004 hätten die Autofahrer selbst bei den günstigsten Zapfsäulen Preiserhöhungen zwischen 5 bis 6 Cent pro Liter hinnehmen müssen, kritisierte der ARBÖ in einer Aussendung.

Die Verteuerung der Höchstpreise wird von der Mineralölwirtschaft mit der Entwicklung der internationalen Ölpreise begründet. Der ARBÖ hält dazu fest, dass ein Dollar-Preis von 33 Dollar für Brent einem Euro-Preis von 27,6 Euro entspricht. Da Europas Mineralölfirmen Rohöl in Dollar einkaufen und die Treibstoffe in Euro verkaufen, haben sie laut ARBÖ einen Währungsvorteil von 20 Prozent, von dem die Kunden aber nicht viel spürten.

"Sprit-Hochpreisland"

Das selbe gelte für die Produktenpreise in Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen. Der Preis für eine Tonne Eurosuper verringere sich in Euro-Währung auf 313 Euro pro Tonne und liege damit weit unter dem Dollar-Preis von 391 Dollar, wie der ARBÖ vorrechnet.

Der ÖAMTC verweist einmal mehr darauf, dass Österreich bei den Vorsteuerpreisen im EU-Vergleich ein "Sprit-Hochpreisland" sei. Um knapp 3 Cent pro Liter Benzin und um rund 2,5 Cent pro Liter Diesel werde in Österreich mehr für Kraftstoff verlangt als im Durchschnitt der 15 EU-Staaten. Bei Diesel, so der ÖAMTC, gebe es überhaupt nur noch ein Land, in dem der Nettopreis höher liege als in Österreich und das sei Italien.

"Durchsichtiges taktisches Manöver"

Der ARBÖ vermutet hinter der jüngsten Spritpreiserhöhung ein "durchsichtiges taktisches Manöver". Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) hatte nach dem Benzinpreisgipfel bis Ende April eine Verringerung des so genannten "Österreich-Zuschlags" angekündigt, den die heimischen Mineralölproduzenten seit 1999 verrechnen dürfen.

Dieser Zuschlag, so der ARBÖ, habe den Autofahrern seither Mehrkosten von 714 Mio. Euro verursacht. "Wenn nun wenige Tage vor dem Ablauf dieser Frist die Höchstpreise hinauf gesetzt werden, können nachher die Preise wieder zurück genommen werden ohne Gewinne der Mineralölwirtschaft zu senken", kritisiert der ARBÖ. (APA)

Share if you care.