Buhl ist pleite: 220 ohne Job

27. April 2004, 14:23
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Waldviertler Baufirma mit 25 Millionen Euro Passiva in Konkurs

Wien - Ein schwerer Schlag für die strukturschwache Region Waldviertel: Durch den Konkurs von Buhl-Bau aus Gars am Kamp verlieren 220 Mitarbeiter den Job. "Die Bemühungen, das alteingesessene Waldviertler Bauunternehmen über einen gerichtlichen Ausgleich zu sanieren, sind bedauerlicherweise fehlgeschlagen", sagte der Insolvenzexperte des Kreditschutzverbandes, Kurt Haendel.

Die Gesamtschulden werden voraussichtlich auf 25 Mio. Euro steigen. Die Baufirma und alle Teilbetriebe werden sofort geschlossen, auch die Arbeiten an den bestehenden 100 Baustellen wurden eingestellt. In der Folge wird das Unternehmen zur Gänze liquidiert. Aktuell sind 170 Mitarbeiter beschäftigt, darüber hinaus gab es 50 Zusagen auf saisonbedingte Wiedereinstellungen.

Liquiditätssituation

Laut KSV habe die Unternehmensleitung die Liquiditätssituation bei der vor sechs Wochen erfolgten Ausgleichsbeantragung "zu optimistisch" beurteilt. Die mittlerweile erfolgte Überarbeitung und Aktualisierung des Liquiditätsplanes machte, so der KSV, eine empfindliche Finanzierungslücke von über 400.000 Euro sichtbar. Auch war bisher keine echte Perspektive für die Erfüllbarkeit eines 40-Prozent-Ausgleiches erkennbar, so die Einschätzung.

Die beiden Hausbanken haben ein weiteres finanzielles Engagement abgelehnt. Möglicherweise gibt es rasche Auffanglösungen für untergeordnete Buhl-Teilbereiche - Interessenten haben sich gemeldet. Für eine Übernahme des Zentralunternehmens "Bau" konnte bisher niemand gefunden werden. Als Folge des nunmehrigen Liquidationsszenarios werden die Gesamtschulden auf voraussichtlich etwa 25 Mio. Euro klettern, so Haendel.

Schadenersatzforderungen

Hauptgrund dafür seien zu erwartende Schadenersatzforderungen und Kosten für Dienstnehmer. Wie viel Geld die Konkursgläubiger zurückbekommen werden, lasse sich noch nicht sagen: "Gerade Baukonkurse erweisen sich zumeist als Wertvernichter schlimmster Art und enden oftmals desaströs", so der KSV. 220 der 455 Gläubigern, die Forderungen anmeldeten, sind Dienstnehmer.

In Österreich schlittern pro Tag 24 Unternehmen in die Pleite. Am stärksten betroffen ist die Bauwirtschaft. Zu den größten Baupleiten zählten heuer das Bauträgerunternehmen und Planungsbüro Gassner in Zell am See mit Konkurspassiva von 70 Mio. Euro, gefolgt von Buhl mit Passiva von 25 Mio. Euro und der Strasser Steinbau GmbH mit Passiva von 14,2 Mio. Euro.

Insgesamt musste die Bauwirtschaft in den ersten drei Monaten dieses Jahres 270 Insolvenzen mit Passiva von 85,5 Mio. Euro verkraften. Die meisten Pleiten gab es in Wien, die wenigsten im Burgenland. (APA, cr, Der Standard, Printausgabe, 20.04.2004)

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