Gewaltsamer Tod von Marie Trintignant muss neu aufgerollt werden

21. April 2004, 16:34
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Schauspielerfamilie will zehn Jahre Haft für Rockstar Cantat

Vilnius - Der gewaltsame Tod von Marie Trintignant wird vor einem litauischen Gericht neu aufgerollt: Die französische Schauspielerfamilie Trintignant legte am Montag in Vilnius Berufung gegen das Urteil eines Gerichtes vom 29. März ein. Die Familie wolle erreichen, dass die Strafe von acht Jahren Haft gegen den Rocksänger Bertrand Cantat in zweiter Instanz "verändert und verschärft wird", sagte ihr Anwalt Kazimieras Motieka.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP nannte Motieka ein Strafmaß von zehn Jahren. Ein Berufungsprozess könnte demnach in einem Monat beginnen.

Cantats Anwalt will milderes Strafmaß

Der inzwischen 40-jährige Cantat war in erster Instanz schuldig gesprochen worden, seiner 41-jährigen Geliebten Marie in der Nacht auf den 27. Juli 2003 in einem Hotel in Vilnius vier tödliche Schläge versetzt zu haben. Die Mutter der Toten, die Regisseurin Nadine Trintignant, hatte das Urteil zunächst als "angemessen" bezeichnet. Cantats Anwalt Olivier Metzner hatte angekündigt, die schriftliche Urteilsbegründung abzuwarten und dann "höchstwahrscheinlich" Berufung einzulegen, um ein milderes Strafmaß zu erreichen.

Das litauische Recht sehe fünf bis 15 Jahre Haft für Totschlag vor, betonte Motieka. "Das Strafmaß müsste in der Mitte liegen, bei zehn Jahren." Nach litauischem Recht könne es nur bei mildernden oder erschwerenden Umständen Abweichungen nach oben oder unten geben. "Unserer Meinung nach hat es keine mildernden Umstände gegeben und damit keinen Grund, das Strafmaß zu reduzieren."

Die Pariser Tageszeitung "Le Monde" hatte zuletzt Auszüge einer noch nicht offiziellen Übersetzung des Urteilstextes veröffentlicht. Nach Einschätzung der Berufsrichter war Cantat demnach bewusst, dass er Marie Trintignant möglicherweise lebensgefährlich verletzte, als er die Schläge gegen ihren Kopf führte. Selbst wenn er dies nicht gewollt habe, sei ihm doch klar gewesen, dass "alles, ... auch der Tod seines Opfers" eintreten konnte.(APA/AFP)

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