"Ambitionierteres Ziel als alle anderen"

29. April 2004, 14:04
posten

Österreich ist ein "Musterland" beim Klimaschutz, meint Umweltminister Pröll zum SchülerStandard

Studien des Pentagon und der UN prophezeien einerseits eine neue Eiszeit in Europa, andererseits Schneemangel in Skigebieten als Folge der globalen Erwärmung. "Prinzipiell sind die beiden Meinungen nicht so unterschiedlich", erklärt Ernest Rudel, Leiter der Klimaabteilung der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Wien dem SchülerStandard. Der Unterschied erklärt sich aus der Ungenauigkeit der Prognosen aufgrund der kurzen Forschungszeit. Weiters vermutet Rudel, dass der Mensch das Klima beeinflusst. Auch die Fluktuation der Sonnenstrahlung oder natürliche Emission von CO kommen für den Klimawandel in Frage.

Sieg der Wirtschaft?

Bereits in den 80er Jahren gab es erste Versuche, den menschlichen Einfluss zu reduzieren. Erfolge wurden durch das Verbot bestimmter Treibhausgase erzielt. Jurrien Westerhof, Klimaexperte bei Greenpeace, sieht seitdem keine nennenswerten Fortschritte. Derzeit laufen Bemühungen, den Kohlendioxid-Ausstoß von Industrieanlagen zu verringern. Dazu wird in den nächsten Jahren der Handel mit Emissionszertifikaten eingeführt. Im Streit um die Zuteilung von Gratismengen sehen manche einen Sieg für die Wirtschaft.

Umweltmusterland

Umweltminister Josef Pröll erklärt dem Schülerstandard dazu, das "Umweltmusterland" Österreich hätte hier ein "ambitionierteres Ziel als alle anderen." Für Westerhof ist der Minister den wirtschaftlichen Forderungen zu weit entgegengekommen. Dazu Pröll: "Ich bin kein Umweltminister, der mit Umweltpolitik Ausbaupläne und den Industriestandard gefährden will." Eine Einheit von Ökonomie und Ökologie sieht auch Rudel als zukunftsweisend. Die Gefahr einer Abwanderung von Großbetrieben sieht Westerhof nicht, da in den Zielländern der Industrie die gleichen Bestimmungen wie in Österreich gelten sollten.

Weniger Opfer

Einig sind sich die drei Experten darin, dass Österreich als Vorbild beispielgebend, ein grundlegender Wandel aber nur durch Umdenken machbar ist. "Wenn der Druck der Ereignisse groß genug wird, steigt auch der gesellschaftliche Druck, so dass etwas unternommen wird" so Rudel. Zunehmend extreme Wetterkapriolen sind als Folge des Klimawandels wissenschaftlich nicht nachweisbar. Zwar wirken sich diese auf die Wirtschaft schlimmer aus, weil heute Gebiete bebaut werden, die früher nicht genutzt wurden, doch geht die Zahl der menschlichen Opfer zurück.

Von Julia Frosch, Stefan Svoboda, Markus Kirchsteiger
Share if you care.