Ein "Geht nicht" gibt's nicht

26. April 2004, 11:57
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Ideo-Design - Die Höhle des Erfindergeists

Sie erfanden eine Maus für Apple, als die meisten Menschen bei diesem Begriff noch an ein kleines Nagetier dachten. Sie ersannen einen Roboter-Wal für die Dreharbeiten von Free Willy, eine selbst stehende Zahnpastatube, Dampfbügeleisen, den Palm V, die I-Zone-Kamera von Polaroid. Sie sorgten auch dafür, dass Sprinter Carl Lewis bei der Olympiade in Atlanta nicht die Nike-Sonnengläser verrutschten. Mittlerweile sind es Tausende Produkte, die in den weltweit verstreuten Think-Tanks der Firma Ideo Product Development mit Stammsitz Palo Alto unter dem Motto "kinderleichte Funktionalität" erfunden wurden und die internationale Alltagskultur bereichern.

Mehr als 350 Personen - Designer, Psychologen, Biologen und andere - basteln im Dienste dieses gigantischen Einkaufszentrums für Ideen. Individualität punktet, Regeln sind bei Ideo da, um umgangen zu werden, das Prinzip des "systematischen Chaos" bildet Dach und Fundament der Designfabrikanten.

Dazwischen liegt eine Art intellektueller Sand- und Spielkiste, Ideen werden von "hot groups" erarbeitet, diese bestehen aus Mitarbeitern, die sich in Sachen Persönlichkeit und Fähigkeiten gar nicht genug unterscheiden können. Hinter diesem Szenario steht immer die Frage nach dem Geist des Unternehmens, er bildet den Rahmen für omnipräsentes Brainstorming. Die Struktur ist dabei entspannt und offen, freies Denken gefordert. "Das Wichtigste, was wir getan haben, war die Verankerung einer speziellen Kultur. Die Leute arbeiten hier zu ihrem persönliches Vergnügen und die öffentliche Aufmerksamkeit ihrer Produkte. Sie arbeiten in der Regel nicht wegen des Geldes hier", meint dazu Douglas Dayton, Leiter des Bostoner Ideo-Studios.

Während man hierzulande meist unsicher am Begriff Design herumtastet, ihn zwischen Wirtschaftsfaktor und Verhübschungsinstrument hin- und herschiebt, verrät ein weiteres Credo von Ideo, wie man zum Liebkind von Business und Verbraucher wird: "Mach einfache Dinge ein- fach und schwierige möglich." Klingt einfach. (maik/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19. 4. 2004)

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