IWF: Spanier Rato soll Nachfolge Köhlers antreten

25. April 2004, 18:33
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Französischer Kandidat Lemierre offenbar aus dem Rennen

London - Der Spanier Rodrigo Rato soll offenbar die Nachfolge des Deutschen Horst Köhler als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) antreten. Der bisher als aussichtsreichster Anwärter auf den wichtigen Posten geltende Franzose Jean Lemierre sei aus dem Rennen, hieß es am Sonntag zum Auftakt des Jahrestreffens der Londoner Osteuropabank übereinstimmend aus mehreren Delegationen.

Damit dürfte der Weg frei sein für die IWF-Kandidatur des 55-jährigen Rato, der in der gerade abgelösten konservativen Regierung in Madrid als Finanzminister gewirkt hatte. Der Spanier kann den Angaben zufolge unter anderem auf die Unterstützung der USA rechnen; mehrere Staaten der Europäischen Union und aus Lateinamerika unterstützen ebenfalls seine Bewerbung.

Zwei Kandidaten mit unterschiedlichem Profil

Das Spitzenamt des Generaldirektors beim IWF in Washington wird traditionell von einem Europäer wahrgenommen. Die EU-Staaten hatten sich aber diesmal nicht auf einen Kandidaten einigen können und die Bewerbungen von Rato und von Lemierre unterstützt. "Es gibt zwei Kandidaten mit unterschiedlichem Profil - der eine mehr der Finanzfachmann, der andere mehr der gestandene Politiker," hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) gesagt. Deutschland unterstütze Lemierre, "weil er ein sehr guter Kandidat ist". Dagegen sprachen sich Belgien, die neue spanische Linksregierung und offenbar auch Großbritannien für Rato aus.

Die Europäer hatten sich eigentlich auf dem zweitägigen Treffen der Osteuropabank (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, EBWE/EBRD) auf einen Köhler-Nachfolger einigen wollen. Eine informelle Konferenz der EU-Wirtschafts- und Finanzminister am Rande wurde nach Angaben der irischen EU-Präsidentschaft aber abgesagt. Dem Vernehmen verzichtete die französische Regierung darauf, die Bewerbung des 53-jährigen Lemierre weiter zu unterstützen. Stattdessen sollte er am Montagabend in seinem bisherigen Amt als Präsident der Osteuropabank bestätigt werden.

Köhler hatte den IWF-Posten aufgegeben, um sich in Deutschland für das Amt des Bundespräsidenten zu bewerben. Er ist Kandidat von Union und FDP, die in der Bundesversammlung die Mehrheit haben. (APA)

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