Italien will über Freilassung der Geiseln verhandeln

19. April 2004, 19:38
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Wendet sich an sunnitische Geistliche - Europaminister schließt Lösegeldzahlung nicht aus - Lega Nord: "Mit Terroristen verhandelt man nicht"

Rom - Im Bemühen um die Freilassung dreier italienischer Geiseln im Irak hat sich die Regierung in Rom an sunnitische Geistliche gewandt. Er habe am Sonntag den italienischen Repräsentanten im Irak getroffen, sagte Scheich Abdel Salam Kubeissi vom Komitee von Ulema dem italienischen Fernsehsender Rai 3. Einige der im Irak entführten Ausländer waren in den vergangenen Tagen freigelassen worden, nachdem sich die Geistlichen eingeschaltet hatten.

Zuvor hatte jedoch ein Sprecher des Komitees der sunnitischen Religiösen Behörden behauptet, dass sich die Befreiung der Italiener als "schwierig" erweise. "Es ist schwieriger, die Befreiung der Italiener zu verhandeln, weil sie bewaffnet und im Dienst einer amerikanischen Sicherheitsgesellschaft waren. Alle anderen westlichen Geiseln, die bisher befreit wurden, waren als Journalisten oder als Mitglieder humanitärer Organisationen im Irak", so Mouthana Harith al Dhari nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.

Die drei Italiener werden seit vergangenem Montag im Irak festgehalten. Am Mittwoch hatten die Entführer vor laufender Kamera die vierte italienische Geisel, den 35 Jahre alten Fabrizio Quattrocchi, durch einen Genickschuss getötet. Die Kämpfer von den "Grünen Brigaden" drohten, eine zweite Geisel zu töten, wenn Italien seine Truppen nicht aus dem Irak abziehe.

Die Regierung von Ministerpräsident Berlusconi hat am Sonntag entschieden dementiert, dass sie bereit sei, irakische Kriegsgefangene für die drei italienischen Geiseln auszutauschen, die sich in den Händen von Aufständischen im Irak befinden. Die italienische Regierung dementierte somit Aussagen des Vaters eines der Entführten, Angelo Stefio, wonach das Kabinett einen Gefangenenaustausch erwäge. Ein Austausch sei nicht in Betracht genommen worden, hieß es in einer Presseaussendung der Regierung Berlusconi.

Der italienische Europaminister Rocco Buttiglione hatte zuvor in einem Zeitungsinterview berichtet, dass die Regierung Berlusconi über einen Austausch von Gefangenen zur Befreiung der drei Italiener Umberto Cupertino, Salvatore Stefio und Maurizio Agliana gelangen wolle. Die drei Italiener könnten mit Personen getauscht werden, die von den irakischen Behörden festgenommen worden sind, so Buttiglione.

Lösegeldzahlung nicht ausgeschlossen

Buttiglione hatte auch nicht ausgeschlossen, dass die Regierung Berlusconi den Entführern der drei Italienern im Irak Lösegeld zahlen könnte. "Seitens der Entführer müssen akzeptable Forderungen kommen", meinte der Minister im Interview mit der Turiner Tageszeitung "La Stampa". "Man muss sehen, wozu das Geld verwendet wird. Wenn damit Waffen gekauft werden, die gegen unsere Soldaten eingesetzt werden, kann man nicht verhandeln."

Lega Nord: "Terroristen müssen vernichtet werden"

Auf Seiten der Lega Nord ist man mit einer Lösegeld-Zahlung keineswegs einverstanden: "Mit den Terroristen verhandelt man nicht, sie müssen vernichtet werden. Die Gefahr ist, eine endlose Spirale von Erpressungen im Gange zu setzen", betonte der Spitzenpolitiker der Lega Nord, Roberto Calderoli.

"Man hat mir garantiert, dass sie (die Geiseln, Anm.) noch am Leben sind. Man verhandelt um einen Austausch", so Stefio, Vater des 34-jährigen Bodyguards Salvatore Stefio. "Unsere Angehörige sind keine Militärs. Die Entführer sollen sie frei lassen und wir werden unsere Gefangene geben. Ich hoffe, dass diese Geschichte in ein oder zwei Tagen gelöst werden kann", so Stefio. Laut der italienischen Nachrichtenagentur ANSA gab Stefio zu verstehen, dass der Austausch "in Italien inhaftierte Extremisten" betreffe.

Appell der Angehörigen auf Al Jazeera

Der arabische TV-Sender Al Jazeera sendete am Samstag wiederholt einen Appell der Familien der italienischen Geiseln für die Befreiung ihrer Angehörigen. Öfters während des Tages war im Fernsehen die Schwester einer der Geiseln, Maurizio Agliana, zu sehen, die in einer Videoaufzeichnung die Entführer aufforderte, das Leben der Italiener zu verschonen. "Wir sind einfache Leute wie Sie. (...) Wir glauben, dass die Tat, mit der Sie drohen, sinnlos und kontraproduktiv für die Ziele wäre, die Sie verfolgen", hieß es im Appell Antonella Aglianas.

Die italienischen Gemeindienste sind der Ansicht, dass die drei Geiseln im Nord-Osten Bagdads gefangen gehalten werden. Gesucht wird ein Taxifahrer, der zuletzt die drei Italiener gefahren und sie angeblich den Entführern "verkauft" hatte. Auch die US-Sicherheitsgesellschaft DTS Ltc Security mit Sitz in Nevada, die die drei Geiseln als Bodyguards rekrutiert hatte, ist in der Suche nach den Italienern aktiv.

Die Staatsanwaltschaft von Genua hat inzwischen Ermittlungen gegen den Vertreter der DTS Ltc Sercurity in Italien, Paolo Simeoni, aufgenommen. Er hatte Quattrocchi das Angebot für einen Job im Irak gemacht. Simeoni wird verdächtigt, den 37-jährigen Quattrocchi als Legionär rekrutiert zu haben, was laut italienischem Gesetz strafbar ist. Die Ermittler wollen die Hintergründe der Rekrutierung der hingerichteten Geisel beleuchten. (APA)

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