"Pfüat di Gott, du alte Zeit"

25. April 2004, 20:25
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Kooperationsbereit – aber auch konfliktbereit gegenüber der Stadt Wien: So tritt Brigitte Jank als designierte Nachfolgerin von Walter Nettig im Wirtschaftsbund an

Wien – "Umsetzungsorientierte Ansätze" sind Brigitte Jank wichtig, "Allerweltsreden mit hohlen Versprechungen sind nicht das Meine." Jank tritt am 11.Mai bei der Landesgruppen-Hauptversammlung des Wiener Wirtschaftsbundes als einzig empfohlene Bewerberin für die Nachfolge von Walter Nettig an und wird somit Wiener Spitzenkandidatin für die Wirtschaftskammerwahl 2005. Sie arbeitet bereits mit einem Team an einem Programm, das sie vor diesem Wahlgang präsentieren wird.

Die Schwerpunkte will Jank dabei im Bereich Wirtschaftsbelebung und EU-Erweiterung setzen, wie Jank im Standard- Gespräch erläutert. "Vor allem bei Letzterem gilt es in den Betrieben Mut zu machen und Schwellenängste durch Information abzubauen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir alle zu vorsichtig sind, zu abwartend."

"Wir tragen alle Verantwortung für diese Stadt"

Eine der entscheidendsten Fragen wird aber sein, wie sich die Wirtschaftskammer gegenüber der Stadt Wien positionieren wird. Ähnlich betont freundschaftlich verbunden wie unter Walter Nettig? "Wir tragen alle Verantwortung für diese Stadt – und daraus ergibt sich automatisch ein gewisser Umgang", signalisiert Jank auf der einen Seite Kooperationsbereitschaft. Gleichzeitig betont sie jedoch: "Aber wenn notwendig, scheue ich keinen Konflikt und beziehe Position."

Wiens Bürgermeister Michael Häupl sieht den Abschied von Walter Nettig jedenfalls unsentimental. "Da kann ich nur den alten Steirer zitieren: Neiche G'sichter, neiche Leut' – pfüat di Gott, du alte Zeit." Häupl sieht in der Kür Janks jedenfalls ein Signal, "dass sich die Hardliner in der Kammer nicht durchgesetzt haben". Dass ihn mit Brigitte Jank wohl trotzdem nicht mehr ein derart betont freundschaftliches Verhältnis wie zu Nettig verbinden wird, sieht Häupl jedenfalls leidenschaftslos: "Das muss ja nicht unbedingt so sein. Helmut Zilk und Walter Nettig waren ja auch nicht gerade innigst befreundet."

Für Volker Plass, Sprecher der Grünen Wirtschaft in der Kammer, ist Jank "eine große Unbekannte", er kenne sie "als langjährige Multifunktionärin, über inhaltliche Positionen ist jedoch so gut wie nichts bekannt." Aber "für ein unbeschriebenes Blatt muss zumindest die Unschuldsvermutung gelten", so Plass.

Arbeitsmarktgipfel

Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (VP) und Wiens Vizebürgermeister Sepp Rieder (SP) trafen sich indes am Montag zu einen zweiten "Gipfelgespräch" mit Sozialpartnern zum Wiener Arbeitsmarkt. Dabei wurde die Aufstockung des Auffangnetzes für lehrstellenlose Jugendliche in Wien vereinbart: Die Lehrgangsplätze werden von 2700 auf 3600 erhöht; es wird auch ein Lehrabschluss möglich sein. Die Lehrgangsdauer kann von zehn auf zwölf Monate verlängert werden.

Für den Wiener VP-Klubobmann Matthias Tschirf ist dies "eine rein defensive Maßnahme" und "Strukturkosmetik". Es sei erfreulich, dass sich Bartenstein und Rieder "gemeinsam um Lösungen der enormen Arbeitslosigkeit kümmern wollen, aber seit den ersten Ankündigungen am Rosenmontag ist in dieser Richtung noch wenig geschehen", so Tschirf. (Roman David-Freihsl, Der Standard, Printausgabe, 20.04.2004)

  • Jank tritt am 11.Mai bei der Landesgruppen-Hauptversammlung des
Wiener Wirtschaftsbundes als
einzig empfohlene Bewerberin für die Nachfolge von Walter Nettig an und wird somit
Wiener Spitzenkandidatin für
die Wirtschaftskammerwahl
2005.
    foto: wirtschaftskammer

    Jank tritt am 11.Mai bei der Landesgruppen-Hauptversammlung des Wiener Wirtschaftsbundes als einzig empfohlene Bewerberin für die Nachfolge von Walter Nettig an und wird somit Wiener Spitzenkandidatin für die Wirtschaftskammerwahl 2005.

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