Gabis Balanceakt

27. April 2004, 17:45
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Die Wahlsiegerin hat erkannt: Die Menschen wollen Veränderung, aber nicht zu viel - von Thomas Neuhold

Dass es den Sozialdemokraten am 7. März - mit "Unterstützung" der Bundesregierung und einer missglückten VP- Wahlkampfstrategie - gelungen ist, im konservativen Salzburg die Mehrheit zu erringen, darf getrost als historisch bezeichnet werden. Wahlsiegerin Gabi Burgstaller und ihre Berater haben die Stimmung im Land genau erkannt: Die Menschen wollen Veränderung, aber nicht zu viel. So erklärt sich auch Burgstallers Festhalten an der großen Koalition, obwohl im Salzburger Landtag Rote und Grüne eine - zwar hauchdünne, aber immerhin - Mehrheit hätten.

Im Wahlkampf hat Burgstaller geschickt verschwiegen, dass die SPÖ schon bisher mitregiert hat und somit auch alle Fehlentscheidungen der Vergangenheit zu verantworten hat - von der Absage an das Projekt Guggenheim-Museum bis zur Olympiabewerbung. Und es ist in der Wahlkampagne gelungen, die Balance zwischen Bewahren und Erneuern zu halten. Als Landeshauptfrau wird dies für die "rote Gabi" schwieriger werden.

So wollen die Erwartungen der SP-Klientel - von Gewerkschaft bis zu Sozialvereinen - erfüllt werden. Der einflussreiche AK-Präsident Siegfried Pichler hat schon unmittelbar nach dem Wahlabend ausrichten lassen, dass die Menschen sehr schnell enttäuscht wären, wenn alles so bliebe wie bisher. Andererseits darf die SPÖ den kleineren Koalitionspartner nicht überfordern.

Die schwarzen Wahlverlierer beginnen erst jetzt langsam zu realisieren, was das Duo Franz Schausberger und Wilfried Haslauer alles verspielt hat. Die VP-internen Querelen - zuletzt zwischen Wirtschaftsbund und ÖAAB - um den erheblich kleiner gewordenen Anteil am Kuchen werden die Salzburger Landespolitik noch lange beschäftigen und könnten sogar zu einer echten Belastung für die Regierungsarbeit werden. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.4.2004)

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