In Polen entstehen immer mehr Branchen-Cluster

11. Februar 2005, 15:39
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In Lodz boomt die Haushaltsgeräte-Industrie, in Schlesien die Autoindustrie - Flugzeugindustrie siedelt sich in Südost-Polen an

Poznan - Einst machte die Computerindustrie im kalifornischen Silicon Valley den Anfang. Jetzt entstehen auch in Polen immer mehr Industriezentren, in denen sich Unternehmen gleicher Branchen ansiedeln. So wird Lodz in Kürze die führende europäische Stadt für die Herstellung von elektrischen Haushaltsgeräten sein. In Südost-Polen entsteht ein "Investitions-Tal" für die Flugindustrie. Breslau wird immer häufiger mit dem Finanzmarkt assoziiert. In Schlesien entwickelt sich Autoindustrie rapide. Solche Cluster-Bildungen haben für die Firmen eine Reihe von Vorteilen: Die Kosten sind niedriger und es ist wesentlich einfacher, erfahrene Spezialisten zu finden.

Die Stadt Lodz und Umgebung ist seit einem Jahrhundert eng mit der Textilindustrie verbunden. Diese Branche erlebt zur Zeit eine tiefe Krise. Die Firmen müssen Belegschaften reduzieren und sogar Werke schließen. Vor einigen Jahren haben sich bei Lodz zwei Weltkonzerne der Elektrogerätebranche angesiedelt. Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) produziert jetzt dort Wasch- und Spülmaschinen und will weiter investieren. Die italienische Firma Merloni erzeugt in Lodz Herde und baut eine neue Kühlschrankfabrik.

Haushaltsgeräte-Hersteller

"In zwei Jahren werden Merloni und Bosch Siemens in Lodz fast 4 Millionen Elektro-Haushaltsgeräte jährlich produzieren. In keiner anderen Stadt Europas werden so viele Geräte erzeugt", sagte der Geschäftsführer der polnischen Merloni-Niederlassung in der Tageszeitung "Rzeczpospolita". Die Konzerne investieren in Lodz wegen der günstigen Lage der Stadt, außerdem gibt es hier viele qualifizierte Arbeitskräfte.

Eine kleinere Konzentration von Haushaltsgeräte-Herstellern befindet sich in Breslau. Dort gibt es Werke der Firmen Wrozamet (Teil der spanischen Gruppe Fagor) und Polar (Whirlpool). Erst Ende vergangener Woche gaben die Amerikaner bekannt, dass sie für den Bau einer neuen Fabrik nahe Breslau weitere 132 Mio. Euro investieren werden. Breslau ist zudem ein Finanzzentrum Polens. Zahlreiche Banken und ähnliche Institute sind hier ansässig, etwa der Europäische Leasingfonds, Getin Holding, Lucas Bank, Eurobank oder die Bank Zachodni WBK.

Flugzeugindustrie

In einigen Jahren soll zwischen Swidnik und Bielko-Biala im Südosten des Landes ein Cluster der Flugzeugindustrie entstehen. Koordiniert werden die Tätigkeiten vom Flugzeughersteller WSK PZL Rzeszow. Bald sollen in der Region einige Dutzend neuer Firmen aktiv sein, die Flugzeugteile für polnische und ausländische Hersteller liefern werden.

Die schlesische Stadt Tychy ist bereits das Zentrum der polnischen Autoindustrie. Die Weltkonzerne Fiat und General Motors sind hier ebenso vertreten wie die renommierten Auto-Zulieferbetriebe Delphi, Isuzu, Magnetti Marelli oder Teksid. Nach Angaben der polnischen Agentur für Auslandsinvestitionen haben Autofirmen in der Region bisher fast 4 Mrd. Dollar (3,3 Mrd. Euro) investiert.

Zahlreiche Zulieferbetriebe haben sich in der Sonderwirtschaftszone Katowice (Kattowitz) angesiedelt, darunter die deutschen Firmen Mahle und HP-Pelzer, die italienische Manuli Rubber, Leca aus den USA und Isuzu Motors aus Japan. Isuzu will 300.000 Motoren in GM-Autofabriken in ganz Europa liefern. Fiat ist der größte Investor in Schlesien. Seit 1992 hat der Konzern in Polen in Summe 1,9 Mrd. Dollar investiert, ein großer Teil davon floß in die Vorbereitungen zur Produktion des neuen Panda. Seit 1998 ist in Gliwice eine Opel-Fabrik operativ, die täglich 350 Autos herstellt. 90 Prozent davon gehen in den Export.(APA)

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