"Intelligente" Waffen sollen sich nur von Besitzer abfeuern lassen

22. April 2004, 11:13
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US-Firma will Feuerwaffen auf den Markt bringen, die sich nur vom verchipten Besitzer nutzen lassen können

Ein neuer Computerchip soll es in Zukunft ermöglichen, dass Polizeiwaffen nicht von unauthorisierten Besitzern abgefeuert werden können. Wie das US-Unternehmen Verichip bekannt gab, könnte eine entsprechende "intelligente" Waffe in einem Jahr auf den Markt kommen.

Verchipte Polizisten

Die Grundidee von Verichip ist eine "zwei-Komponenten-Waffe" - zum einen wird dem Polizisten ein kleiner Computerchip in die Hand implantiert, zum anderen muss eine entsprechend "intelligente" Waffen benutzt werden. Wenn Polizist und Waffe zusammenpassen, wird das Feuern erst möglich. Sollte ein Polizist seine Waffe in einem Handgemenge verlieren und danach mit seiner eigenen Waffe bedroht werden, könnte der Täter diese dann nicht abfeuern. Verichip, das bislang ähnliche Chips für den Sicherheits- und Medizin-Bereich entwickelt hatte, sieht nun auch auf dem Gebiet der Waffentechnik Anwendungsmöglichkeiten für Computerchips.

Auch für Private?

Während es in Polizei-Kreisen noch heftige Diskussionen über derartige Systeme gibt, hat Verichip schon die nächste Idee. Auch Privatpersonen sollen mit Hilfe des Chips von den "intelligenten" Waffen profitieren können. Wie zu erwarten war, ruft diese - bislang vielleicht beste Idee für einen verchipten Menschen, die Natinal Rifle Association und Bürgerrechtsbewegungen auf den Plan. Immerhin könnte dies bedeuten, dass in Zukunft nicht mehr jeder auf jeden schießen dürfte und auch sonst weniger "Unfälle" mit Waffen passieren.

Partnerschaften

Neben Verichip, das sich bereits mit dem Waffenfabrikanten FN Manufacturing an die Entwicklung einer "intelligenten" Waffe gemacht, plant auch das New Jersey Institute of Technology gemeinsam mit dem australischen Waffenhersteller Metal Storm Ltd. eine entsprechende Entwicklung. Nach Meldungen des FBI wurden im Jahr 2002 67 Prozent der 16.204 Morde mit einer Schiesswaffe begangen.

Kritik

Solange die Technologie allerdings noch nicht hundertprozentig ausgereift ist, melden die Sicherheitsbehörden Bedenken an. Sollte etwa die "Freischaltfunktion" nicht funktionieren, wäre ein Polizist plötzlich ohne Verteidigungsmöglichkeit; aber auch die Tatsache, dass einmal die Waffe eines Kollegen zum Selbstschutz verwendet werden muss, dann aber eben nicht verwendet werden kann, erfreut die Exekutive wenig. Die Hersteller sehen darin allerdings weniger Probleme. Eine Waffe könnte auf mehrere Personen - also etwa einen Polizisten, seinen Partner und deren Vorgesetzen freigeschalten werden.

Ohne Batterie

Die eingesetzten Computerchips kommen ohne Batterie oder externe Stromquelle aus und funktionieren nach demselben Prinzip, das bei entlaufenen Tieren angewendet wird. Verichip hat bereits vor zwei Jahren eine Weiterentwicklung dieser Tier-Chips präsentiert, die auf eine Anwendung beim Menschen ausgelegt ist. So etwa als Sicherheitsmassnahme - Zugangskontrolle in Hoochsicherheitsbereiche oder Ortung über GPS bei Entführungsopfern oder Alzheimer-Patienten. Bei der medizinischen Anwendung werden auch Patientendaten auf dem Chip gespeichert, die dann von Rettung und Ärzten abgerufen werden können. Kritiker sehen in dieser Entwicklung allerdings einen Schritt in Richtung gläserner Mensch, da auch - möglicherweise ohne Wissen des "Verchipten" - sensible Informationen in dem Chip gespeichert werden könnten.(red)

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