Leichenfotos aus Dutroux-Akte dürfen nicht veröffentlicht werden

29. April 2004, 21:19
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Auf Antrag der betroffenen Eltern hat Eilverfahren weitere Verbreitung einer Zeitschrift mit Grauen erregenden Fotos verboten

Brüssel/Arlon - Im Eilverfahren hat ein Brüsseler Gericht die weitere Verbreitung einer Zeitschrift mit Grauen erregenden Leichenfotos aus der Dutroux-Akte verboten. Die Richter folgten damit am Mittwoch einem Antrag der betroffenen Eltern. Diese hatten den Verkaufstopp unter anderem mit dem Argument gefordert, die Veröffentlichung von Fotos ihrer ermordeten Töchter sei ein "unerträglicher Eingriff in ihre Privatsphäre". Auch Opferanwälte und der belgische Journalistenverband hatten den Tabubruch des in Brüssel herausgegebenen Magazins "The Sprout" scharf kritisiert.

Abgemagerten Leichname veröffentlicht

Das englischsprachige Monatsmagazin hatte in seiner jüngsten Ausgabe vier Fotos der abgemagerten Leichname veröffentlicht. "The Sprout" wollte damit Folterspuren an den Körpern der ermordeten Achtjährigen belegen. Die Anwälte Jan Fermon und Georges-Henri Beauthier, die im Prozess gegen den mutmaßlichen Mädchenmörder Marc Dutroux ein überlebendes Opfer vertreten, sagten: "Dies bringt keine zusätzliche Information. Und es ist eine weitere Prüfung für die Eltern der Opfer." Dutroux-Verteidiger Ronny Baudewijn sprach von "Scheußlichkeiten", deren Abdruck "skandalös" sei.

Geschäfte mit schockierendem Material

Zwei der abgebildeten Leichen im Magazin "The Sprout" sind die Achtjährigen Julie und Melissa. Das zuständige Brüsseler Gericht verbot den weiteren Verkauf des fünf Euro teuren Hefts unter Androhung eines Ordnungsgelds von 1.000 Euro pro Exemplar. Die Eltern von Julie und Melissa warfen den Blattmachern vor, sie wollten nur "aus wirtschaftlichen Erwägungen schockieren".

Der belgische Journalistenverband rügte "den Import journalistischer Methoden der britischen Boulevardpresse, die alle professionellen Journalisten entehren". Die Pressefreiheit sei mit Pflichten verbunden, zu denen die Einhaltung journalistischer Grundregeln gehöre, betonte die Organisation. Vor dem angelsächsischen Blatt, dass sonst eher EU-kritische und satirische Artikel publiziert, hatte kein in Belgien verbreitetes Medium die Fotos der Leichname gezeigt. Darum hatten auch die Eltern gebeten. (APA/dpa)

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    Zeitungsmachern wird vorgeworfen, sie wollten nur aus wirtschaftlichen Erwägungen mit furchtbaren Leichenbildern aus den Dutroux Akten schockieren

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