"Good guy" Steve Ballmer

15. April 2004, 12:41
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Der Microsoft CEO sorgt für das gute Image des Softwarekonzerns und punktet im Umgang mit Gegnern durch Konzilianz

Als es für Microsoft darum ging, sich bei den letztmöglichen Einigungsgesprächen mit der EU-Wettbewerbsbehörde stark zu machen, entschied der Terminkalender von Chairman Bill Gates, dass CEO Steve Ballmer nach Brüssel fuhr.

Langzeitfeind Sun

Die Gespräche mit der Europäischen Kommission schlugen zwar fehl und Microsoft wurde verdonnert, eine abgespeckte Version seines Windows PC-Betriebsystems anzubieten und eine Rekordstrafe zu zahlen. Dafür gelang es aber Ballmer mit seiner pragmatischen und geschäftsorientierten Ader innerhalb von Wochen eine überraschende Übereinstimmung mit dem Langzeitfeind Sun Microsystems herzustellen; die bedeutendste in einer Reihe von "Friedensverhandlungen" seit er im Januar 2000 den Microsoft-Vorsitz von Gates übernommen hatte.

Verhandlungsführungen

Verhandlungsführungen gehen Ballmer leichter von der Hand als Gates, sind sich Mitarbeiter und Beobachter einig. Und die Gegenparteien täten sich mit jedem, der nicht Bill Gates heiße, leichter dabei, konstruktive Lösungen zu finden. Eine Reihe von Einigungen zur Beendung zahlreicher Streitfälle ist eine der sichtbarsten Veränderungen, die die Übernahme der Führung über den weltgrößten Softwarekonzern durch Ballmer kennzeichnet. Andere markante Punkte sind die massive Reorganisation des Unternehmens in sieben unabhängige Abteilungen und die interne Strategie, die Mitarbeitern mehr Verantwortung für die Kunden überträgt und Technik um der Technik Willen in den Hintergrund drängt.

Ballmer und Gates

Diese Akzentverschiebungen verdeutlichen die Unterschiede zwischen Ballmer und Gates, die seit den 70er-Jahren enge Freunde sind. Verglichen mit Unternehmensgründer Gates sei Ballmer weniger emotional in die Langzeitauseinandersetzungen mit Branchenrivalen verstrickt, und auch eher bereit sowohl mit Kunden als auch Konkurrenten zu fraternisieren.

Linux

Der Friedensschluss mit Sun und die Annäherung an andere Unternehmenskritiker ermöglicht es Ballmer, sich vermehrt um Themen wie Software-Sicherheit und und die zunehmende Konkurrenz des kostenlosen Betriebssystems Linux zu kümmern. Da Linux dem Unternehmen immer mehr große Kopfschmerzen verursacht, ist es für das Unternehmen von essenzieller Bedeutung, dass der Mann an seiner Spitze sich darin versteht, Kundenbedürfnissen zuzuhören.

Traditionelle Managementtechniken

Ballmers wachsende Macht begründet sich unter anderem auf den verstärkten Einsatz traditioneller Managementtechniken. Gates lehnte die Bildung eigenständiger Abteilungen ab, Ballmer setzte diese mit Hinweis auf die Unternehmensverantwortlichkeit durch. Seit Ballmer an der Spitze ist, verlassen weniger Angestellte das Unternehmen. Microsoft hat auch keine Schwierigkeiten mehr, Mitarbeiter von IBM und anderen bedeutenden Unternehmen abzuwerben.

Wenn in 15 Jahren oder so ein Nachfolger für Ballmer gesucht wird, so Ken DiPietro von der Personalabteilung, könne er sich nicht vorstellen, dass dieser keine umfassende US-Erfahrung mitbringt, keinen technischen Hintergrund habe - und keine tief gehende Menschenkenntnis. (Der Standard Printausgabe 15.4.2003, Joseph Menn)

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