Chorherr: "Was kommt, wenn Grün kommt?"

15. April 2004, 17:37
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Wiens Grünen-Chef will bei nächster Gemeinderatswahl nicht mehr antreten und sich auf Bund konzentrieren - Vassilakou soll folgen

Der Wiener Klubchef zieht sich von der Parteispitze zurück, um auf Bundesebene das Profil der Grünen zu schärfen und eine Regierungsbeteiligung vorzubereiten. Als seine Nachfolgerin in Wien scheint die 35-jährige Maria Vassilakou unumstritten.

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Wien - "Ich trete nicht zurück." Christoph Chorherr, Obmann der Wiener Grünen, bleibt im Gemeinderat und will auch bei der Wiener Wahl 2006 wieder kandidieren. Allerdings nicht mehr in der ersten Reihe. Chorherr wird sich von der Parteispitze zurückziehen. Wie berichtet, soll die derzeit nicht amtsführende Stadträtin Maria Vassilakou zur Spitzenkandidatin gekürt werden und auch den Klubvorsitz übernehmen. Chorherr möchte unterdessen mithelfen, das Profil der Bundespartei zu schärfen.

Auf Bundesebene will sich Chorherr auf "Gestaltungsfragen" konzentrieren. Eine Kandidatur für den Nationalrat sei aber nicht vorgesehen, erklärte Chorherr. Er sei von Alexander Van der Bellen und dem Bundesparteivorstand gebeten worden, mitzuwirken. "Denn die Frage ,Was kommt, wenn Grün kommt?' muss genau beantwortet werden. Da glaube ich, haben wir Nachholbedarf." Parteiintern habe er dies noch bedeutend schärfer formuliert.

Details über seine zukünftige Tätigkeit wollte er noch nicht preisgeben. Er wolle jedenfalls eine Regierungsbeteiligung der Grünen vorbereiten. Chorherr hofft, dass die Grünen nach den nächsten Wahlen sowohl in Wien als auch im Bund in der Regierung sitzen werden.

"Ich nehme mir das Privileg, mich auf das zu konzentrieren, was ich gut kann." Das Gestalten und Umsetzen von Konzepten sei auch in Wien schon erfolgreich gelaufen. Chorherr verwies dazu auf die "rot-grünen Projekte", zu denen etwa der offene TV-Kanal oder das Biomassekraftwerk gehören.

Spitzenkandidat könne man nicht nebenbei sein, darum strebe er diese Position nicht mehr an. Dass Maria Vassilakou schon vor dem Sommer zur Spitzenkandidatin gekürt werden soll, also rund eineinhalb Jahre vor der nächsten Wahl, sei durchaus sinnvoll: "Man soll rechtzeitig und klar sagen, wer die Partei in die Wahl führt."

Vassilakou, 35 Jahre alt, werde für diese Funktion kandidieren, und viel spreche dafür, dass sie auch Klubchefin wird. Von "Doppelspitzen" halte er nämlich nichts, sagte Chorherr. Und er betonte: "Zumindest eine Partei wird eine Frau an die Spitze stellen." Vassilakou hat im STANDARD-Interview bereits angekündigt, den Parteivorsitz übernehmen zu wollen.

"Sicher nicht" mit FPÖ

Die Frage, ob er von der politischen Arbeit in Wien frustriert sei, verneinte Chorherr vehement. Auch die heftige Debatte um eine Koalition mit der ÖVP auf Bundesebene im Vorjahr sei als "klärende Auseinandersetzung" wichtig gewesen. Seither gebe es jedenfalls neben Rot-Grün noch eine weitere Option für eine grüne Regierungsbeteiligung. Dabei dürfte es bleiben: Eine Zusammenarbeit mit der FPÖ wird es laut Chorherr nämlich "sicher nicht" geben.

Die Entscheidung über den Wechsel an der Parteispitze soll noch vor dem kommenden Sommer in einer Landesversammlung fallen. Und, nicht ganz selbstverständlich für die Grünen: Es zeichnet sich Einigkeit ab. Vassilakou wird nicht nur von Chorherr favorisiert, sie "kann mit dem Rückhalt der Wiener Grünen rechnen", teilte Landessprecher Albert Steinhauser am Mittwoch mit. "Vassilakou ist mit Sicherheit ein hervorragendes Signal an die Wähler in Wien", sagte Steinhauser. Die nicht amtsführende Stadträtin sei eine der profiliertesten Wiener Grünen-Politikerinnen. Der genaue Termin für die parteiinterne Wahl steht noch nicht fest. Die Entscheidung darüber fällt der Landesvorstand der Wiener Grünen am 19. April. (red, APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.4.2004)

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    Christoph Chorherr zieht sich von der Spitze der Wiener Grünen zurück: "Ich nehme mir das Privileg, mich auf das zu kon- zentrieren, was ich gut kann." Den Grünen will er auf Bundesebene beistehen.

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