Künftiges Potenzmittel soll im Gehirn wirken

18. April 2004, 13:00
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Gedacht vor allem für jene Patienten, die Viagra wegen der Nebenwirkungen nicht vertragen

Washington - Ein neues Medikament zur Bekämpfung der erektilen Dysfunktion setzt nicht dort an, wo Viagra wirkt, sondern im Schaltzentrum des Menschen - im Gehirn. Das Molekül ABT-724 ist eine Variante des Anti-Impotenzmittels Apomorphin. Beide arbeiten, indem sie Dopamin-Rezeptoren im Hirn aktivieren. Diese sorgen nach Angaben der Forscher für eine bessere Durchblutung des Penis, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).

Während aber Apomorphin alle Dopamin-Rezeptoren stimuliert, wirkt der neue Stoff nur auf die so genannten D4-Rezeptoren, berichtet das Expertenteam um Jorge Brioni von den Abbott Laboratories in Abbott Park, Illinois. Der Vorteil dieser Eigenschaften soll nämlich nach dem derzeitigen Wissenstand die Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen ausschalten. Bei Ratten hat das ABT-724 jedenfalls dafür gesorgt, dass sich Erektionen ohne Nebenwirkungen eingestellt haben, berichtet James Sullivan, einer der Studienleiter.

Viagra und seine Folgen

Der Verkaufshit Viagra wirkt direkt auf Moleküle im Penis, die zur Erektion führen. Der Wirkstoff Sildenafil wird besonders erfolgreich bei Patienten eingesetzt, deren erektile Dysfunktion auf Erkrankungen oder körperlichen Behinderungen beruht. Sildenafil hemmt das Enzym Phosphodiesterase vom Typ 5 (PDE-5), das sich in den glatten Muskelzellen der Blutgefäße befindet und auch im Schwellkörper lokalisiert ist. PDE-5 bewirkt den Abbau des zyklischen Guanosin-Monophosphats und wirkt damit der Gefäßentspannung entgegen.

Durch die orale Anwendung wirkt Sildenafil im gesamten Körper und führt zu einem Blutdruckabfall. Daher kommt es bei der Einnahme von Viagra auch zu teilweise gefährlichen Nebenwirkungen bei Menschen mit Herzkrankheiten. Zusätzlich zur Hemmung der PDE-5 bewirkt Sildenafil auch eine Hemmung der Phosphodiesterase vom Typ 6 (PDE-6). Diese betrifft vor allem die Netzhaut der Augen. Gelegentlich kann es daher zu Sehstörungen kommen, bei denen in der Regel ein verändertes Farbsehen auftritt.

Noch vieles zu klären

Die Humanversion von ABT-724 soll daher ein Mittel werden, das vor allem für jene Patienten gedacht ist, die Viagra-Pillen nicht vertragen. ABT-724 wirkt nämlich in erster Linie im Gehirn, das haben auch die Versuche an den Laborratten gezeigt. Dennoch ist der Schritt bis ABT-724 als Präparat im den Handel kommt noch ein weiter Weg. Bis jetzt wurde noch nicht einmal die Toxizität beim Menschen eindeutig geklärt. Und die Forscher weisen auch gleich vorweg darauf hin, dass das Medikament sicher nicht alle sexuellen Probleme lösen können wird. (pte)

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