Opposition fordert Gorbachs Rücktritt

15. April 2004, 17:39
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Vizekanzler will sich nicht von "Umvolkungs"-Aussage von RFJ-Chef Gudenus distanzieren: "Gedankengut tadellos"

Wien - Vizekanzler Hubert Gorbach (F) hat sich am Mittwoch hinter den Obmann des Rings Freiheitlicher Jugendlicher, Johann Gudenus, gestellt, der im Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Einbürgerungen vor einer "Umvolkung" gewarnt hatte. Nach dem Ministerrat meinte Gorbach, man könne über die Diktion diskutieren, die Äußerung sei vielleicht "unbedarft" gewesen und es habe vielleicht die "Sensibilität" gefehlt. Der Inhalt sei aber zu unterstützen.

"Tadellos"

Es gehe nicht darum, über einzelne Worte zu reden. "Mir ist das Gedankengut wichtig, und das ist bei Gudenus sicherlich tadellos", sagte Gorbach. Der Vizekanzler gab dem Wiener FPÖ-Obmann recht, der gemeint hatte, die Österreicher dürften nicht zu einer Minderheit in Österreich werden.

Van der Bellen: Vizekanzler, der NS-Diktion verteidigt, ist untragbar

Die Grünen haben sich am Mittwoch auf Gorbach (F) eingeschossen: "Wenn der Vizekanzler der Republik Österreich NS-Diktion verteidigt, ist er untragbar", sagte der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen in einer Aussendung.

Van der Bellen erwartet sich nun von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) "eine sofortige Distanzierung und Klarstellung". Diese Äußerung von Gorbach könne so nicht stehen bleiben. In der NS-Diktion bezeichnete der Begriff "Umvolkung" die geplante Veränderung der rassischen Zusammensetzung der Bevölkerung in Polen und in der Tschechoslowakei zum überwiegend "Nordischen" hin.

Auch für SPÖ "untragbar"

Als "skandalös und untragbar" bezeichnete SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos Gorbachs Aussage: "Derartige Anleihen aus der Nazi-Propaganda als 'vielleicht unbedarft' aber inhaltlich unterstützenswert zu bezeichnen, ist ein Skandal, der nicht hingenommen werden darf", sagte Darabos in einer Aussendung.

Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer forderte Bundeskanzler Schüssel auf, zur "unfassbaren Entgleisung" seines Vizekanzlers Stellung zu nehmen. "Hier kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden, sondern Schüssel muss sich im Interesse der gesamten Republik rasch und deutlich distanzieren." (red/APA)

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    Gorbach - hier in in einem Rettungssimulator anlässlich einer Aktion zum Weltgesundheitstag "Gurt und Kindersicherheit" - hat sich durch seine Verteidigung von Johann Gudenus nach dessen "Umvolkungssager" Rücktritts-
    aufforderungen der Opposition eingehandelt.

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