AK warnt vor Fallen beim Girokonto

21. April 2004, 15:37
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Banken erzielen fünf bis zehn Millionen Euro Körberlgeld durch Überziehungszinsen - AK fordert Änderung des Bankwesengesetzes

Wien - Es ist üblich, dass Banken Abbuchungen am Konto sofort, Gutschriften hingegen erst am nächsten Werktag buchen, sagen die AK Konsumentenschützer. Durch verspätete Gutschriften von Gehältern und Löhnen machen sich die Banken ein Körberlgeld von 5 bis 10 Mio Euro pro Jahr, zeigt eine Modellrechnung. Diese Wertstellungspraxis benachteiligt Kontoinhaber. Daher fordert die AK eine Änderung des Bankwesengesetzes: Gutschriften auch am gleichen Tag buchen, was mehr Rechtssicherheit und Verständlichkeit am Kontoauszug bringt.

Kontostand vermindert

Ein Beispiel: Eine Bankomatbehebung am 5. April wird nicht nur am 5. April verbucht, sondern auch am 5 April "wertgestellt". Diese Belastung vermindert bereits am 5. April den Kontostand. Hingegen wird eine Gehaltsgutschrift - verbucht am 29. März - üblicherweise erst am 30. März "wertgestellt" (auch Valutierung genannt). Der Kontostand erhöht sich tatsächlich erst am 30. März um den Gehalt - auch wenn der Betrag vielleicht schon am 29. verbucht wurde. Auf Grund des Bankwesengesetzes ist das gedeckt.

Überziehungszinsen

Wer auf seinem Konto eine größere Einzahlung mit gleichzeitiger Überweisung macht, muss mitunter mit saftigen Überziehungszinsen rechnen. Ein Beispiel: Herr N. wollte bei seiner Bank 7.200 Euro an eine Firma überweisen. Sein Kundenbetreuer empfahl ihm, diese nicht bar an der Kassa, sondern auf das Gehaltskonto einzuzahlen und eine Überweisung vom Konto zu machen. Dafür würde sich Herr N. die Zahlscheinspesen von 2,18 Euro für die Kassa-Transaktion ersparen. Leider rechnete Herr N. nicht mit geschmalzenen Überziehungszinsen. Denn der einbezahlte Betrag wurde erst mit dem folgenden Werktag gutgeschrieben - die Überweisung jedoch taggleich durchgeführt. Es entstand somit für einen Tag ein Minus von 7.200 Euro, der Überziehungszinssatz machte 10 Prozent aus. Weil Herr N. mit dem Minus von 7.200 Euro auch noch über den vereinbarten Kontorahmen von 3.000 Euro hinauskam, fielen zusätzlich "Strafzinsen" von 5 Prozent an.

Kontostand am Bankomatdisplay falsch

Konsumenten klagen auch sehr oft, dass der Kontostand am Bankomatdisplay falsch ist. Die Angaben sind irreführend, sagen die AK Konsumentenschützer, wenn am Display der Buchungssaldo zu sehen ist und nicht das tatsächliche Guthaben.

Die Konsumenten brauchen mehr und regelmäßige Informationen: Sie sollen regelmäßig über die Höhe des Überziehungsrahmens benachrichtig werden. Das könnte am Kontoauszug am Quartalsende erfolgen. Außerdem sollen die Banken nicht eigenmächtig, sondern gemeinsam mit Kunden einen sinnvollen Überziehungsrahmen vereinbaren. Gleichzeitig sollte der Kunde auch regelmäßig über die Höhe der Minuszinsen informiert werden - die jetzt im Bankwesengesetz verankerte Pflicht, den Kunden wegen der Überziehungszinsen auf den Preisaushang zu verweisen, ist nicht wirksam. (red)

  • Durch verspätete Gutschriften von
Gehältern und Löhnen machen sich die Banken ein Körberlgeld von 5 bis
10 Mio Euro pro Jahr
    foto: photodisc

    Durch verspätete Gutschriften von Gehältern und Löhnen machen sich die Banken ein Körberlgeld von 5 bis 10 Mio Euro pro Jahr

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