Spam feiert sein Zehn-Jahres-Jubiläum

27. April 2004, 10:27
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Inzwischen sind fast zwei Drittel aller Mails nur noch elektronischer Müll

Auch schlechte Beziehungen haben Jahrestage: Vor zehn Jahren - am 12. April 1994 - haben zwei Anwälte in Arizona ein selbst gestricktes Softwareprogramm in Betrieb genommen, mit dem sie ihr Geschäft ankurbeln wollten. Mithilfe eines Scripts überschwemmten sie Onlineforen mit Werbung für ihre Anwaltskanzlei, Canter & Siegel. Seither ist unerwünschte Mail in den Postfächern zum unausweichlichen Begleiter unseres elektronischen Alltags geworden.

"Schickt Cantor & Co. Kokosnüsse und Dosen mit Spam"

Der wütenden Reaktion zahlreicher User auf diese Marketingaktion verdankt das Phänomen auch seinen Namen: "Schickt Cantor & Co. Kokosnüsse und Dosen mit Spam", schrieb ein empörter Usenet-Leser - andere Poster griffen das Wort auf, die Marke eines Dosenschinken. 1937 hatte Kenneth Daigneau mit "Spam" für das Dosenfleisch von Hormel Foods ein Preisausschreiben über 100 US-Dollar gewonnnen. 1970 popularisierte Monty Python Spam in einem Sketch - eine Kellnerin tischte einem Gast unerwünschterweise Teller um Teller an Spam auf.

Geschäft

Cantor machte trotz des Unmuts gutes Geschäft: Bis zu 200.000 US-Dollar an zusätzlichem Umsatz soll ihm nach seiner Erinnerung die Marketingaktion beschert haben. Ähnliches wissen auch heute Massenmailer zu berichten, die von der virtuellen Pest weiterhin profitieren.

Im März 2004 waren bereits 63 Prozent aller E-Mail unerwünschter Spam oder Junk-Mail, so der irische Hersteller von Spam-Blockern, Brightmail. Trotz beträchtlicher Mittel großer Mailprovider wie Yahoo, AOL oder Microsoft ist der Flut kaum Herr zu werden, und auch gesetzliche Verbote haben den Trend nicht gewendet: Erst vor wenigen Tagen wurde in den USA, die seit vergangenem Jahr eine Anti-Spam-Gesetzgebung haben, der "Buffalo Spammer" für schuldig befunden; maximales Strafausmaß: sieben Jahre hinter Gittern.

REsignation

Die lautstark artikulierte Empörung der Anfangsjahre ist weitgehend Resignation gewichen. Viele User wechseln heute nach einiger Zeit einfach ihre Adresse, um für ein paar Monate dem Spam zu entgehen. (spu, DER STANDARD Printausgabe, 13. April 2004)

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